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06.09.2010
 

Anglo Irish Bank

Abwickeln oder aufspalten

Fass ohne Boden: Die Anglo Irish Bank hat die irischen Steuerzahler bisher 25 Milliarden Euro gekostet - laut Premier Brian Cowen würde eine Abwicklung weitere 70 Milliarden kosten
AP

Fass ohne Boden: Die Anglo Irish Bank hat die irischen Steuerzahler bisher 25 Milliarden Euro gekostet - laut Premier Brian Cowen würde eine Abwicklung weitere 70 Milliarden kosten

Die Zeichen für ein nahendes Ende der irischen Problembank Anglo Irish verdichten sich. Die Europäische Kommission macht Druck, auch in Irland mehren sich die Stimmen für eine Abwicklung. Regierungschef Cowen warnt aber vor Kosten von bis zu 70 Milliarden Euro. Jetzt bekommt die Bank eine Gnadenfrist.

Dublin - Die EU wird erst Ende September über eine Abwicklung der angeschlagenen Anglo Irish Bank entscheiden. Die Rettung eines Rumpfgeschäfts der verstaatlichten Bank sei weiterhin eine Option, sagte der irische Finanzminister Brian Lenihan am Montag in Dublin. Einem Sprecher seines Ministeriums zufolge rechnet Irland mit dem letzten Wort aus Brüssel dazu zum Monatsende.

"Es gibt zwei Optionen, eine Abwicklung über einen bestimmten Zeitraum hinweg oder die Spaltung in eine gute sowie eine schlechte Bank", sagte Lenihans Sprecher weiter. In eine sogenannte "Bad Bank" können toxische Vermögenswerte ausgelagert werden. Das verschafft Luft in der Bilanz.

Medienberichten zufolge wollte Lenihan der EU am Montag eine Auflösung der Bank vorschlagen. Der Prozess solle aber schonend auf zehn Jahre angelegt werden, berichtete die Zeitung "Irish Independent" ohne Angaben von Quellen. Die Pläne der Regierung sähen eine Garantie für sämtliche Einlagen bei der Bank vor. Forschungsminister Conor Lenihan, der Bruder des Finanzministers, hatte mit einem Zeitungsinterview die Debatte über eine Schließung der Bank angeheizt.

Die Anglo Irish Bank wurde 2009 verstaatlicht, nachdem ihr unter anderem der Zusammenbruch des Immobilienmarktes zu schaffen gemacht hatte. Seitdem ist sie ein Fass ohne Boden und brockte Irland im vergangenen Jahr das höchste Haushaltsdefizit in der EU ein. Bislang beliefen sich die direkten Kosten für den Staat auf 25 Milliarden Euro. Die Grüne Partei, Juniorpartner der Regierungskoalition, verlangt eine Schließung der Bank in höchstens zehn Jahren. Laut Ministerpräsident Brian Cowen müssten dann 70 Milliarden Euro oder mehr aufgebracht werden. Das könne nicht im Interesse des Steuerzahlers sein.

An den Börsen gelten die steigenden Kosten für eine Sanierung des Geldhauses als großes Risiko für die Kreditwürdigkeit Irlands. In der vergangenen Woche verlangten sie rekordhohe Risikoaufschläge von 3,7 Prozentpunkten auf irische Anleihen im Vergleich zur Rendite der deutschen Bundesanleihe. Investoren befürchten, dass Irland nach Griechenland zum nächsten Krisenherd der Euro-Zone wird. Brian Lenihan wies die Befürchtungen zurück. Das Land werde durch die Bank nicht pleite gehen.

Der Chef des Instituts, Mike Aynsley, plädierte in einem anderen Zeitungsinverview jedoch dafür, eine Bad Bank abzuspalten und ein Rumpfgeschäft weiterzuführen. Er zeigte aber auch Verständnis für die Haltung Europas. "Die Europäische Kommission sagt, diese Bank hat 25 Milliarden Euro verschlungen und verdient es nicht, zu überleben, und sie hat Recht." Allerdings sei das Bankensystem auch zerrüttet.

Er hatte in Aussicht gestellt, dass EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia schon am Montag eine Entscheidung fällen könnte. Almunia bestätigte zwar, dass er sich mit Lenihan über die Anglo Irish Bank unterhalten wolle, äußerte sich aber nicht zu seiner Präferenz für das Institut.

ak/reuters

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