Von Kai Lange
Die AAA-Blase
Für Angstsparer und Anleihenkäufer wäre ein solcher Sieg der Notenbanken schmerzlich. Sobald die Teuerung und die Zinsen auch nur leicht anziehen, werden zehnjährige Anleihen mit 2,1 Prozent Rendite uninteressant. Der Bund-Future, der Anfang September auf ein Rekordhoch kletterte, dürfte dann schwer unter Druck geraten. Investoren, die nicht bis zum Ende der Anleihenlaufzeit abwarten können, drohen dann herbe Kursverluste.
"Double Dips gehen in der Regel Fehler der Politik und Fehler der Notenbanken voraus, die einen noch zarten Aufschwung wieder abwürgen", meint Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin. Die Gefahr einer zu rigiden Geldpolitik sieht er bei den Notenbank derzeit nicht - eher drohe Gefahr durch die Sparpolitik einiger hoch verschuldeter Staaten. Die Risiken für die Weltwirtschaft hätten zwar zugenommen, ergänzt HSBC-Analyst Sartoris. Dennoch rechnet er im Kernszenario nicht mit einer Deflation, sondern mit einer Stabilisierung der Konjunktur.
Fällt der Double Dip aus, haben Aktienkäufer wieder die besseren Karten. In Deutschland hat sich die Konjunktur viel schneller als erwartet wieder erholt, die meisten Dax-Unternehmen haben ihre Umsätze und ihre Gewinne deutlich gesteigert. Schwenken auch die USA wieder auf Wachstum ein, dürfte die Nachfrage weiter steigen. Selbst bei einer anziehenden Inflation sind Aktien im Vergleich zu Festgeld und Anleihen die bessere Wahl, da sie als Beteiligungen an Unternehmen einen gewissen Inflationsschutz mitbringen.
Anleger, die nach der Anleihenrally der vergangenen Wochen auf weitere Kursgewinne bei Anleihen setzen, gehen eine riskante Wette ein, meint DZ-Zinsexpertin Figge. "Wenn sich das Deflationsszenario als Gespenst herausstellt, sind Kursverluste bei Anleihen wahrscheinlich." Inzwischen seien viele negative Erwartungen wie eine deutliche Abkühlung der Konjunktur bis Jahresende in den Aktienmarkt eingepreist. Der Markt habe also gute Chancen, sich auf Sicht der nächsten sechs Monate zu erholen. Dies spreche eher für die zuletzt geprügelten Aktien - und nicht für die jüngst so heiß begehrten Bundesanleihen.
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