Von Dirk Wohleb
Die Gefahr einer Inflation ist derzeit wie ein Gespenst, das nicht klar zu orten ist: Die Teuerungsrate liegt in der Europäischen Union bei 1,2 Prozent und soll zum Jahresende auf 2 Prozent steigen. Die Kurse für Bundesanleihen notieren dagegen auf Rekordniveau und scheinen eher eine Deflation anzudeuten. Und in der vergangenen Woche kündigte US-Notenbankchef Ben Bernanke eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik an.
Doch die Ruhe ist trügerisch. "Die Schuldenkrise geht weiter, auch wenn die Märkte ihren Blick momentan abgewendet haben", warnt Joachim Fels, Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley
. Diese Krise sei nur mit einer höheren Teuerungsrate zu bewältigen. Fels erwartet deshalb mittelfristig 4 bis 5 Prozent Inflation in den USA und drei Prozent oder mehr im Euroraum. Das Problem: Die Notenpressen laufen weiter, obwohl der Konjunkturmotor in vielen Teilen der Welt wieder angesprungen ist.
So rechnen die Volkswirte der DekaBank dieses Jahr mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 4,6 Prozent. "Wenn wir das ganze Ausmaß der Geldexpansion nicht wieder zurückführen können, bekommen wir Probleme", sagt Alan Greenspan, Ex-Chef der amerikanischen Notenbank.
Wann genau die Preise anziehen, lässt sich zwar schwer vorhersagen. Doch für Vorsichtige wird es Zeit, sich zu wappnen. Vor allem das Geldvermögen ist der drohenden Entwertung ausgesetzt: Bei langfristig festgelegten Guthaben dürften die Zinsen bei einem Inflationsszenario nicht ausreichen, um den Wertverlust auszugleichen. Sachwerte heißt bei drohender Inflation die Devise. Vor allem zwei Investmentfonds konzentrieren sich auf Titel, die besonders stark profitieren, wenn die Preise steigen.
"Staatsanleihen bieten keinen Schutz bei höheren Preisen"
Die erste Alternative ist der vermögensverwaltende Mischfonds Prima-Konzept
, der 2008 aufgelegt wurde und in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 16 Prozent erzielt hat. Fondsmanager Wolfgang Petran darf das Geld je nach Marktlage völlig flexibel auf die Anlageklassen Aktien und Anleihen aufteilen. Er bevorzugt derzeit Dividendentitel. Bei Bonds ist Petran dagegen wählerisch: "Staatsanleihen bieten keinen Schutz bei höheren Preisen. Im Gegenteil. Die meisten Staaten sind hoch verschuldet und verfügen über eine geringere Substanz als erstklassige Unternehmen."
Der Manager rechnet bereits im kommenden Jahr mit einer zweistelligen Teuerungsrate. Er setzt auf Markführer: "Firmen wie Coca-Cola
oder Nestlé
sind rund um Globus bekannt für ihre Marken. Sie können höhere Preise durchsetzen." Bei all seinen Investments analysiert er, wie sich Kurse und Gewinne der Unternehmen bei einer steigenden Inflation ändern.
Zu seinen Favoriten zählen derzeit Goldminenaktien: "Die Papiere werden mit einem Bewertungsabschlug von 30 Prozent gehandelt." Aber auch die Produzenten von Öl, Gas, Nickel
, Kupfer
und Uran könnten sich in einem inflationären Umfeld gut behaupten.
Nahrungsmittel mit steigendem Anteil im Portfolio
Hersteller von Nahrungsmittel machen im Portfolio rund 20 Prozent aus. Zu Petrans größten Investments zählt der US-Konzern Archer Daniels Midland, der Getreide verarbeitet. Der steigende Fleischkonsum könnte zu höheren Preisen für Rinder oder Schweine führen. Ein möglicher Gewinner dieser Entwicklung ist Tyson Foods, der größte Fleischproduzent der Welt.
Spannend ist für den Fondsmanager auch Nutreco, ein Hersteller von Fischfutter. Auf Grund der Überfischung der Weltmeere steigt der Bedarf an Fischfarmen. Die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten nimmt weltweit um 8 Prozent jährlich zu. Einen guten Inflationsschutz bieten zudem Pharmafirmen, die über einen hohen Anteil langlaufender Patente verfügen: "Diese Unternehmen können höhere Preise leichter durchsetzen als die Hersteller von Generika", sagt Petran.
Inflationsgeschützte Anleihen passen Kupon an die Teuerung an
Ein breit aufgestelltes Portfolio zeichnet den Mischfonds DWS Sachwerte
aus. Der Fonds wurde im Oktober 2009 aufgelegt und erzielt dieses Jahr ein Plus von 3,8 Prozent. Fondsmanager Hans-Jörg Pack investiert zwar 60 Prozent in Aktien, rund 20 Prozent stecken in inflationsgeschützten Anleihen. Bei diesen Bonds wird der Kupons entsprechend der Inflation nach oben angepasst. Wenn die Preise steigen, profitieren diese Papiere überproportional.
Gut ein Drittel der Aktien entfällt auf Immobilientitel wie die Deutsche Euroshop
, die Einkaufszentren betreibt. "Euroshop passt die Mietverträge automatisch der Inflationsrate an", sagt Pack. Zusätzlich sind rund 10 Prozent des Portfolios in offenen Immobilienfonds angelegt. Ein Wert, der steigende Preise an seine Kunden weitergeben kann, ist Atlantia, ein italienischer Betreiber von Mautautobahnen: "Die Gebühren sind per Gesetz an die Inflationsrate gekoppelt", betont Pack.
Der DWS-Fondsmanager investiert zudem direkt in Rohstoffe. Pack sieht gute Aussichten für Gold
. Er ist nicht nur wegen der Inflationsaussichten positiv für das Edelmetall gestimmt, auch das knappe Angebot treibt den Preis: "Mittelfristig ist ein Anstieg der Feinunze auf 2000 Dollar wahrscheinlich, der Bullenmarkt für Gold ist noch nicht zu Ende."
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