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02.09.2010
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Ferienhausboom an Nord- und Ostsee

Anleger schicken ihr Geld in Urlaub

Von Christoph Rottwilm

Sylt, Föhr, Rügen, Usedom: Wo die Ferienhauspreise abheben
Fotos
DAHLER & COMPANY

2. Teil: Rügen "praktisch leer gekauft"

Die Zahlen des örtlichen Gutachterausschusses vom Juni 2010 bestätigen den Trend ebenfalls. Demnach ist die Anzahl der verkauften Eigentumswohnungen im Altkreis Norden binnen zwölf Monaten um rund 60 Prozent nach oben geschnellt. Die Preise beispielsweise auf Norderney haben Sylter Niveau allerdings noch nicht erreicht. Der Einstiegspreis für eine 60-Quadratmeter-Eigentumswohnung etwa beträgt dort laut Maklerin Kirch rund 330.000 Euro.

Günstigere Objekte sind teilweise noch an der Ostsee zu bekommen. Doch auch dort kommt schon längst nicht mehr jeder Interessent zum Zuge. "2010 ist ein sehr gutes Jahr", berichtet Kathrin Lange, Büroleiterin von Engel & Völkers auf Rügen. "Ferienwohnungen, 50 bis 80 Quadratmeter groß in sehr guter, zentraler Lage und generell Objekte um die 250.000 Euro werden stark nachgefragt." Doch das Angebot ist begrenzt, so Lange. "Wir sind praktisch leer gekauft."

Die Käufer kommen nach Angaben der Expertin vor allem aus Berlin, Hamburg, dem Kölner Raum und Frankfurt. Und sie wollen nicht unbedingt immer in die bekannten Seebäder wie Binz, Sellin oder Göhren auf Rügen. "Entlang der Küste wurde in den letzten Jahren kräftig in die historischen Gebäude und die Infrastruktur investiert", sagt Lange. "Neben dem Wassersport ist die Ostseeküste inzwischen auch ein Dorado für Golfer."

Hauptmotiv Eigennutzung

Die Erholungsqualität vor Ort ist für die Käufer aus zwei Gründen von großer Bedeutung. Einerseits bestimmt sie mit, wie schön der eigene Urlaub im Ferienhaus wird. Zum anderen entscheidet sich danach, wie gut die Vermietungschancen eines Objektes sind - und das ist letztlich ausschlaggebend dafür, ob sich ein solches Investment auch finanziell rechnet.

Grundsätzlich sollte die Eigennutzung nach Einschätzung der Fachwelt allerdings das Hauptmotiv für den Erwerb einer Ferienimmobilie sein. Als reine Geldanlage, da sind sich die meisten Fachleute einig, rechnet sich ein Ferienhaus dagegen nur sehr selten. "Wenn ein Ferienhaus zu Anlagezwecken erworben wird, dann sollte man sich für ein möglichst gutes Objekt in bester Lage entscheiden", sagt Engel & Völkers-Vorstand Enders. "Denn nur dort sind die erforderliche Auslastung und entsprechende Mieteinnahmen zu erwarten."

Um mit einem Ferienhaus-Investment in die Gewinnzone zu kommen, so hat es einmal Sven Johns, Experte vom deutschen Immobilienverband IVD, errechnet, muss die Immobilie im Schnitt an mindestens 120 Tagen im Jahr vermietet sein. Wird eine Agentur engagiert, die sich gegen Honorar um die Vermarktung des Objektes kümmert, sind es sogar 135 Tage. Wohl gemerkt: Ab dem Punkt sind erst die Ausgaben für Zins und Tilgung sowie für Nebenkosten und Instandhaltung wieder eingespielt.

Entscheidender Faktor: Wertsteigerung

Johns kennt zwar Objekte, etwa auf Rügen oder in Prerow, die jährlich auf 200 Vermietungstage und mehr kommen. Dies ist jedoch nicht immer der Fall.

Generell handelt es sich um ein ambitioniertes Vorhaben. Schließlich dauert schon die üblicherweise definierte Hochsaison von Mitte Juni bis Mitte September lediglich 90 Tage. Auch die Angaben des Online-Ferienhausvermittlers Home Away, denen zufolge die dort angebotenen Unterkünfte im Schnitt lediglich an 22 Wochen im Jahr, an 154 Tagen also, belegt sind, stimmen nicht eben optimistisch.

Sylt-Makler Tom Kirst sieht vor dem Hintergrund die Hoffnung auf nennenswerte Mieteinnahmen skeptisch. "Bei der Ferienwohnung sollte die mögliche Wertsteigerung der entscheidende Faktor sein", sagt er. "Die Mietrendite liegt oft bei kaum 3 Prozent und reicht gerade, um die laufenden Kosten zu decken."

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