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02.09.2010
 

Ferienhausboom an Nord- und Ostsee

Anleger schicken ihr Geld in Urlaub

Von Christoph Rottwilm

Sylt, Föhr, Rügen, Usedom: Wo die Ferienhauspreise abheben
Fotos
DAHLER & COMPANY

Börsenturbulenzen, Spekulationsblasen, Inflationsängste - nach der Wirtschaftskrise sind noch immer viele Anleger verunsichert. Manche flüchten von den Finanzmärkten und stecken ihr Geld in Ferienhäuser an Nord- und Ostsee, wo bereits die Preise steigen. Das Motto: Sicherheit plus Genuss statt Rendite.

Hamburg - Über die Finanzmärkte fegt zurzeit ein rauher Wind. Die Aktienkurse erleben seit Monaten Rückschläge, die Anleihenmärkte drohen zu implodieren und der Festzins ist kaum noch messbar.

Viele Anleger stellen sich da offenbar lieber in die echte kühle Brise, am Strand von Sylt, in der Föhrer Marsch oder auf den Rügener Kreidefelsen. Anders ist es kaum zu erklären, dass seit einiger Zeit vielerorts an Nord- und Ostsee die Nachfrage nach Ferienimmobilien anzieht. Während sich die Preise in Spanien, Frankreich und Italien auf Talfahrt befinden, ziehen sie im Norden Deutschlands merklich an.

"Die Märkte für Ferienhäuser an der deutschen Nord- und Ostseeküste haben die Wirtschaftskrise relativ stabil überstanden", sagt Kai Enders, Vorstand für Wohnimmobilien beim Maklerhaus Engel & Völkers. "Inzwischen sind angesichts niedriger Zinsen und mangels Alternativen auf den anderen Anlagemärkten sogar wieder steigende Preise zu beobachten."

25.000 Euro für einen Quadratmeter - ohne Wattblick

Laut Enders zeigt sich, dass die Krise die Immobilie in den Augen vieler Investoren attraktiver macht. Die Menschen verbinden damit offenbar nach wie vor das Gefühl von Sicherheit, das in turbulenten Zeiten hoch bewertet wird.

Die Beobachtung wird von zahlreichen lokalen Experten bestätigt. Zum Beispiel auf Sylt, Promi-Insel, beliebter Urlaubsort und nebenbei auch einer der heißesten Wohnimmobilienmärkte der Republik.

"Seit Pfingsten beobachten wir eine Belebung der Nachfrage", sagt Tom Kirst, Inhaber der örtlichen Niederlassung des Luxus-Immobilienmaklers Dahler & Company. "Das gilt sowohl für das Luxussegment, Häuser also jenseits der 2,5 Millionen Euro, etwa in Kampen, List oder Keitum, als auch für den Bereich der Eigentumswohnungen in Westerland oder Wenningstedt, die für Preise bis 300.000 oder 600.000 Euro zu haben sind."

Laut Kirst kostet der Quadratmeter eines Einfamilien-Neubauhauses beispielsweise in Kampen inzwischen bis zu 25.000 Euro. Und zwar "noch ohne Wattblick", wie der Fachmann weiß.

Marktbelebung kein Sylter Sonderphänomen

Sylt nimmt zwar seit langem schon unter den deutschen Urlaubszielen und auch am Immobilienmarkt ein Sonderstellung ein. Denn der Status als Lieblingsort der hiesigen Prominenz zusammen mit dem natürlich begrenzten Flächenangebot sichert nach Meinung vieler auf lange Sicht zumindest stabile Preise.

Doch die aktuelle Marktbelebung ist keineswegs ein Sylter Sonderphänomen. An der gesamten Nord- und Ostseeküste berichten Makler und Marktbeobachter ähnliches. "Die Nachfrage nach Ferienimmobilien ist in den letzten drei Jahren sehr gestiegen, besonders im letzten und in diesem Jahr", sagt etwa Ines Kirch, Leiterin des Büros von Engel & Völkers auf Norderney und zuständig für alle sieben ostfriesischen Inseln sowie für den Küstenstreifen Ostfrieslands.

Auch Kirch beobachtet einen Preisanstieg. "Die Kunden sind auf Sicherheit bedacht und legen ihr Geld in Steine an", sagt sie. "Für viele Käufer sind Ferienimmobilien eine Altersvorsorge."

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