Hamburg - Erstmals seit langem gibt es vom Markt für Schiffsbeteiligungen wieder Positives zu vermelden. Der Oltmann Gruppe, einem Emissionshaus mit Sitz in Leer, gelang für einen ihrer Fonds gemeinsam mit der Reederei Briese, ebenfalls Leer, der Verkauf zweier Containerfrachter mit einer Tragfähigkeit von je rund 1700 TEU. Die Schiffe wurden für je rund 19 Millionen Euro an eine griechische Reederei veräußert. Erst im November 2009 hatte Oltmann beide Frachter für den "Schnäppchenfonds 1" erworben - zu einem Preis von je 14,25 Millionen Euro. Verkäufer waren die insolventen Wadan Werften.
"Wir haben die steigende Nachfrage nach Containerschiffen genutzt und dadurch eine Rendite von 79 Prozent IRR p.a. nach Steuern für unsere Anleger realisieren können", kommentiert André Tonn, geschäftsführender Gesellschafter der Oltmann Gruppe. "Dies zeigt, dass antizyklisches Handeln nicht nur in der Theorie funktioniert, wenn man über den entsprechenden Marktzugang verfügt."
Tatsächlich ist Oltmann der erste Anbieter, der im aktuellen Marktzyklus einen solchen "Schnäppchen"-Deal erfolgreich, also inklusive Verkauf, abwickelt.
Fonds bekommen Kapital nicht zusammen
Etwa ein Dutzend Schiffsfondsinitiatoren war auf dem Tiefpunkt der Schifffahrtskrise mit diesem Versprechen angetreten: Sie legten Fonds auf, die mit dem Geld der Anleger günstig Schiffe kaufen wollten. Krisenbedingte Notverkäufe zu Niedrigstpreisen, so die Prognose, werde es in großer Zahl geben. Da das Schifffahrtsgeschäft traditionell Zyklen unterliege, sei mit der Möglichkeit, die Objekte später lukrativ zu veräußern, sicher zu rechnen.
Das Problem: Vielen der Fonds gelang es gar nicht erst, das nötige Kapital für ihre Fonds einzusammeln. "Schiffsfondsanleger sind oftmals Wiederholungstäter", sagt Mina Protitch, Analystin bei Scope in Berlin. "Da die Investoren in der Krise schlechte Erfahrungen mit ihren laufenden Investments machten, schreckten sie vielfach vor neuen Engagements zurück."
Das lässt sich dokumentieren: Die Platzierungszahlen der Schiffsfondsinitiatoren sind seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise drastisch eingebrochen. Im zweiten Quartal 2010 stiegen die Einspielergebnisse laut Branchenverband VGF gegenüber dem Vorquartal zwar um 76 Prozent. Mit knapp 130 Millionen Euro eingesammeltem Eigenkapital bewegt sich die Branche aber gemessen an früheren Boomzeiten noch auf einem sehr bescheidenen Niveau.
Konkurrenzfonds wollten auch kaufen
Damit aber nicht genug: Jene Anbieter, die ausreichend Kapital in ihre Fonds bekamen, konnten bislang zum großen Teil längst nicht die versprochenen Investitionen tätigen. "Um an solche günstigen Gelegenheiten zu kommen, braucht man ein sehr gutes Netzwerk und man muss im Fall des Falles sehr schnell entscheiden können", sagt Protitch. "Nicht alle Fondsinitiatoren können beides leisten."
Wie dringend einige Initiatoren noch immer nach Investitionsmöglichkeiten für ihre Fonds suchen, zeigen die aktuellen Verkäufe der Oltmann Gruppe. Denn neben Kaufofferten aus Griechenland und China lagen den Verantwortlichen nach Informationen von manager magazin auch Angebote einiger deutscher geschlossener Schiffsfonds vor, sprich von der Konkurrenz.
Und: Selbst der Fonds der Oltmann Gruppe, der jetzt die Verkäufe meldet, ist noch nicht vollständig investiert. Von den bis Herbst 2009 eingesammelten 35 Millionen Euro Anlegergeldern wurden erst 23 Millionen Euro für sieben Schiffe ausgegeben (von denen zwei nun wieder verkauft wurden). Weitere acht Investitionen sind nach Angaben des Anbieters geplant.
Schiffsmärkte wieder im Aufwärtstrend
Dabei könnte die Zeit für lukrative Käufe knapp werden. Seit einigen Wochen befinden sich die Schiffsmärkte wieder im Aufwärtstrend. Die Charterraten steigen und mit ihnen die Preise. Das Fondshaus Hamburg (FHH) berichtet in seinem aktuellen Marktreport für das erste Halbjahr 2010 von einem spürbaren Anstieg der Raten in fast allen Schiffssegmenten. Bei Containerschiffen mit einer Größe von mehr als 2500 TEU etwa lagen die Aufschläge laut FHH bei 144 bis 278 Prozent. Für das Segment ab 1700 TEU, jene Größe also, die von vielen "Schnäppchenfonds" anvisiert wurde, betrug der Anstieg demnach fast 86 Prozent.
Allerdings müssen mit steigenden Preisen die Investitionsmöglichkeiten nicht verschwinden. "Viele Schiffseigner haben zum Tiefpunkt der Krise stillgehalten und nicht verkauft", sagt Analystin Protitch. "Diese Schiffe kommen jetzt möglicherweise auf den Markt." Der Preis allein sagt ohnehin nicht viel aus, so die Expertin. Es hänge immer davon ab, wie die weiteren Konditionen aussehen: Welche Finanzierung liegt einem Kauf zugrunde, mit welchem Chartervertrag wird ein Schiff übernommen. "Auch höhere Preise können gerechtfertigt sein", so Protitch. "Wenn beispielsweise eine entsprechend höhere Charter für das Schiff vereinbart wurde."
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