Von Lutz Reiche
Derlei historische Betrachtungen könnten den Verdacht nähren, dass die Kursentwicklung von kleinen und großen Werten nahezu gesetzmäßigen Regeln folgt. Dem ist natürlich nicht so. "Auch bei Small Caps gilt die alte Regel: Keine höhere Rendite ohne höhere Risiken", mahnt Naumer. Langfristig sei - jedenfalls nach dem Lehrbuch - zu erwarten, dass sich dieses höhere Risiko auch rentiere, die Rendite der Small Caps also über jener der Large Caps liegt. "Das ist aber kein Selbstläufer", warnt der Experte.
Nun haben die Nebenwerte-Indizes in der Vergangenheit eine beachtliche Performance hingelegt. Das haben sie dem extremen Steilflug einiger "Highflyer" vor allem aber dem beachtlichen Kurszuwachs eines breiten Mittelfelds zu verdanken. Im SDax
zum Beispiel haben sich in den vergangenen zwölf Monaten die Kurse von Balda
, Grammer
oder Delticom
mehr als verdoppelt. Ein gutes Dutzend weiterer Small Caps konnte zwischen 50 und 90 Prozent hinzugewinnen. Bei einzelnen Aktien nähert sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) dem Wert von 20 oder liegt sogar drüber - und derlei hohe Bewertungen dürften so manchen Portfoliomanager schon ins Grübeln bringen. Im MDax
fällt die Bilanz mit Blick auf Einzelwerte nicht ganz so spektakulär aus, wobei auch hier ein gutes Dutzend Aktien auf Zwölfmonatssicht mehr als die Hälfte hinzugewonnen hat.
Damit stellt sich die Frage: Wie lange hält der Aufwärtstrend an, lohnt womöglich noch der Einstieg? Trotz des jüngsten Rücksetzers zur Wochenmitte hält Small- und Mid-Cap-Spezialist Glück von Lupus Alpha den Aufwärtstrend für intakt. Er traut den Nebenwerte-Indizes "auf jeden Fall" eine Outperformance ihres großen Bruders zum Jahresende zu. Auch wenn die Luft für einzelne Werte mittlerweile dünner werde, gebe es bei den Börsen-Minis noch eine ganze Reihe Aktien mit Aufwärtspotenzial. Will der Privatanleger selbst gezieltes Stockpicking betreiben - das A und O bei der Aktienauswahl in diesem Segment, wie Glück sagt, - muss er sich intensiv mit der Materie beschäftigen oder er investiert in eine Fondslösung.
Naumer bleibt zurückhaltender: Der Leiter der Kapitalmarktanalyse von Allianz Global Investors und sein Team stellen sich eher auf eine volatile Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten ein. Das erschwere eine Outperformance der kleineren Werte, da mit der höheren Volatilität auch wieder eine höhere Risikoaversion einhergehen dürfte, die für kleinere Werte eher nachteilig ist. "Über diese eher kurzfristige Perspektive hinaus bleiben Small Caps aber unverändert eine interessante Beimischung", sagt er diplomatisch und fügt gleichwohl an, "schwächere Tage würde ich zum Nachkaufen nutzen".
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