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13.08.2010
 

Dax-Geflüster

Klein schlägt Groß

Von Lutz Reiche

Klein, aber oho! Die mitunter starken Kursschwankungen der Aktien kleinerer und mittelgroßer Unternehmen in MDax und SDax sind nichts für schwache Nerven. Zuletzt aber haben sie den großen "Bruder" Dax deutlich hinter sich gelassen. Auch auf Zehnjahressicht schneiden sie besser ab.
REUTERS

Klein, aber oho! Die mitunter starken Kursschwankungen der Aktien kleinerer und mittelgroßer Unternehmen in MDax und SDax sind nichts für schwache Nerven. Zuletzt aber haben sie den großen "Bruder" Dax deutlich hinter sich gelassen. Auch auf Zehnjahressicht schneiden sie besser ab.

Viele Anleger lassen Aktien kleiner und mittelgroßer Firmen links liegen. Die Nischenplayer sind konjunkturanfälliger und ihre Aktien volatiler als die der Dax-Dickschiffe. Doch wer auf die Minis verzichtet, schlägt Renditechancen in den Wind.

Im Grunde fristen sie einsames Dasein. Den Nachrichtenagenturen und überregionalen Zeitungen sind sie nur selten einen Bericht wert. Für viele der Unternehmen gibt es überhaupt kein Research oder nur wenige versprengte Analysten, die sie beobachten. Die Rede ist von Small und Mid Caps, also kleineren und mittelgroßen Unternehmen in den Nebenwerte-Indizes MDax Chart zeigen, SDax Chart zeigen und TecDax Chart zeigen.

Dieser Zustand besteht zu Unrecht. Und jenen Privatanlegern, die überhaupt noch auf Aktien setzen, entgehen womöglich echte Kursperlen. Die Zahlen sprechen für sich: Seit dem Tiefpunkt der Börsen- und Finanzkrise im März 2009 haben MDax (plus 96 Prozent), SDax (plus 89 Prozent) und TecDax (plus 84 Prozent) ihren "großen Bruder" Dax Chart zeigen (plus 67 Prozent) deutlich hinter sich gelassen: Allerdings hatten die Nebenindizes zuvor auch etwas stärker gelitten als die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Aktien.

Womöglich sind es neben mangelnden Informationen auch die stärkeren Kursreaktionen in Ab- und Aufschwungphasen, die Anleger vor einem Investment in kleinere Unternehmen des MDax und SDax zögern lassen. Dieses Phänomen zeigt sich indes nicht zum ersten Mal. Dieses Verhalten kleinerer Werte sei "geradezu typisch", sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. "In der Abschwungphase trifft es sie härter, in der Aufschwungphase liegen sie in der Regel mit der Performance vorne." Das war zum Beispiel auch nach dem Platzen der Blase 2000 und der 2003 einsetzenden Erholung an den Aktienmärkten so.

Spezialisierung und geringe Marktkapitalisierung belasten im Abschwung

Das Phänomen lässt sich erklären. In den Nebenwerte-Indizes finden sich viel mehr stärker fokussierte Unternehmen als im Dax. Oft besetzen sie mit ihren Produkten und Dienstleistungen eine Nische. Umso anfälliger reagieren sie dann auf einen Konjunkturabschwung als breit aufgestellte Industriekonzerne wie Siemens Chart zeigen, erläutert Björn Glück, Portfoliomanager für deutsche Small und Mid Caps bei Lupus Alpha.

Institutionelle Anleger scheinen zudem die Underperformance der Nebenwerte-Indizes in Rezessionsphasen zu verstärken. "In einer Rezession ziehen sie ihr Geld aus weniger liquiden Werten schneller ab", berichtet Glück. "In Abschwungphasen steht die Risikovermeidung im Vordergrund, deshalb werden liquide Werte bevorzugt, also Werte in die Anleger schnell rein und raus können", bestätigt Naumer. Small Caps hätten da aufgrund ihrer geringeren Marktkapitalisierung einen strukturellen Nachteil.

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