Bitterfeld - Vor Zinsen und Steuern (EBIT) erwirtschaftete die TecDax-Gesellschaft 27,1 Millionen Euro nach einem Verlust von 65,5 Millionen Euro vor einem Jahr. Auch unter dem Strich schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen, wie die Geschäftsleitung am Donnerstag mitteilte.
Im zweiten Quartal standen dort 35,2 Millionen Euro, vor einem Jahr war nach massiven Abschreibungen ein Verlust von mehr als 300 Millionen Euro angefallen. Q-Cells profitierte vom Solarboom in Deutschland und seinem harten Restrukturierungsprogramm.
Der Umsatz wurde im zweiten Quartal dank gestiegener Produktion von Solarzellen und Dünnschichtmodulen auf 333,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Vorstandschef Nedim Cen, dessen Vertrag am Vortag um fünf Jahre verlängert wurde, hob die Umsatzprognose leicht an. Nun peilt das Unternehmen im Jahresverlauf 2010 Erlöse von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro an. Bislang wurden 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Bestehen bleibt das Ziel, im Gesamtjahr ein positives operatives Ergebnis einzufahren.
In ersten Reaktionen bezeichneten Händler die Zahlen als besser als erwartet. Ein Börsianer wies aber einschränkend darauf hin, dass sich das Unternehmen im nächsten Jahr auf ein deutlich schwierigeres Umfeld einstellen müsse. 2011 sind weitere Kürzungen bei der Solarförderung geplant.
Die im TecDax notierte Aktie stieg in den ersten Handelsminuten um knapp 8 Prozent und konnte damit die zuletzt heftigen Verluste reduzieren.
Vier Produktionslinien geschlossen - neues Zellenwerk in Malaysia
Das bessere Ergebnis ist zum Teil auf den erfolgreichen Konzernumbau zurückzuführen, den das Unternehmen bis zum Jahresende abschließen will. 2009 war der Umsatz wegen des heftigen Preisverfalls auf dem Solarmarkt um ein Drittel auf rund 800 Millionen Euro eingebrochen, unter dem Strich stand wegen gewaltiger Abschreibungen ein Fehlbetrag von gut 1,3 Milliarden Euro.
Mittlerweile hat das Unternehmen vier alte Produktionslinien am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen geschlossen. Unrentable Technologiebeteiligungen wurden abgeschrieben und zur Disposition gestellt.
Gleichzeitig fuhr Q-Cells ein neues Zellenwerk in Malaysia hoch, um dort billiger produzieren zu können. Q-Cells bietet zudem seit dem zweiten Quartal eigene Module an.
Die Solarfirma Q-Cells wurde Ende 1999 als Start up aus der Taufe gehoben. Zu den vier Gründern zählte Anton Milner, der nach vielen Jahren als Vorstandschef im März zurücktrat und damit die Verantwortung für das katastrophale Geschäftsjahr 2009 übernahm. Im ersten Halbjahr 2001 startete das Unternehmen mit nur 19 Mitarbeitern die Produktion von Solarzellen. Mittlerweile arbeiten rund 2200 Menschen bei der Q-Cells SE.
Solarindustrie: Wie deutsche Unternehmen überleben
la/dpa
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