Von Arne Gottschalck
mm: Die Berichtssaison in den USA läuft - wie ist Ihr Eindruck bislang?
Carey: Die Ergebnisse des zweiten Quartals des Jahres 2010 waren stark. Meine Erwartungen haben sie sicherlich erfüllt. Natürlich haben einige US-Firmen, die einen substanziellen Teil ihres Geschäfts in Europa tätigen, den schwachen Euro gespürt. Und es gibt auch weiterhin Probleme für einige der Unternehmen im Finanz- und Immobiliensektor. Im Großen und Ganzen aber war die Earningsseason positiv. Wir sehen auch, dass die Verbesserung der Ertragslage inzwischen nicht mehr nur von Kostensenkungen kommt.
mm: Sind Bankaktien inzwischen wieder ein Kauf?
Carey: Ja, es gibt Banken, deren Profitabilität sich gut entwickelt. Bei den sehr niedrigen kurzfristigen Zinsen sind die Kosten der Einlagen minimal - mit dem Ergebnis, dass die Banken eine attraktive Nettozinsmarge ohne viele Risiken verdienen. Natürlich sind auch Hypothekar- und anderen langfristige Kreditzinsen gesunken, so dass die Zinssituation für die Banken ein zweischneidiges Schwert ist. Und neue finanzielle Regelungen bergen auch Probleme für die Banken mit Blick auf die Gebühren von bei Kredit- und Debitkarten. Daher sind wir innerhalb der Bankenbranche immer noch selektiv, da es einige ziemlich durchgeschüttelte Institutionen gibt. Aber wir finden definitiv auch Aktien, die sich lohnen.
mm: Die wirklich bedrückenden Daten wie das US-Defizit sind zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt.
Carey: Nein, die Bundes- und die Staatshaushaltsdefizite sind nie weit weg von der Aufmerksamkeit. Es ist unabdingbar, dass wir diese zwei Defizite in den Griff bekommen und bei ihrer Reduzierung in den kommenden zwei Jahren Fortschritte machen.
mm: Wo soll mittelfristig das weitere Wachstum der US-Aktien herkommen - vom überschuldeten US-Konsumenten? Oder eher vom Export?
Carey: Die US-Aktien sollten sich gut entwickeln weil sie relativ zu ihren Gewinnaussichten attraktiv bewertet sind. Auch die Dividendenrendite sind großzügig und schaffen so ein Einkommen zusammen mit den Aussichten auf eine Aufwertung der zugrunde liegenden Aktien. Wir sind durch einen schweren Abschwung gegangen, verschärft durch gravierende Probleme in den Bereichen Finanzen, Wohnen und Automobilindustrie. Aber wenn unsere Wirtschaft jetzt auftaucht, dürften wir eine gute Periode des Wachstums genießen. Dazu werden auch die internationalen Verkaufszahlen beitragen. Denn viele US-Firmen sind gut positioniert, um die Bedürfnisse der Entwicklungsländer zu befriedigen. Allerdings haben auch europäische Unternehmen erhebliche Wachstumschancen. Ich würde Investoren daher raten, sich breit aufzustellen - mit Unternehmen aus der ganzen Welt.
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