Gewinnsprünge und Umsatzsteigerungen über den Erwartungen sowie deutlich nach oben revidierte Prognosen - was die Dax-Konzerne zurzeit vermelden, müsste das Anlegerherz eigentlich hüpfen lassen. Und die Kurse gleich mit.
In vielen Fällen gelingt dies auch - merkwürdigerweise aber längst nicht in allen. Am gestrigen Donnerstag etwa erreichte die Berichtssaison für das abgelaufene Quartal hierzulande ihren Höhepunkt. Gleich sieben Dax-Konzerne legten ihre Zwischenbilanzen vor. Erneut gab es vor allem überaus Positives zu berichten. Der Dax
jedoch trat lange auf der Stelle - und beendete den Tag sogar mit 0,7 Prozent deutlich im Minus.
Den Papieren von Volkswagen
und Merck
zum Beispiel verhalf der gute Geschäftsverlauf der Unternehmen zwar zu signifikanten Kursgewinnen. Die Volkswagen-Aktie etwa quittierte die
Verdopplung des Betriebsgewinns mit einem Kursplus von rund 3 Prozent. Das Papier von Merck legte zeitweise gleich um mehr als 5 Prozent zu und setzte sich an die Spitze des Dax. Das
Pharma- und Chemieunternehmen hatte nach einem Gewinnsprung die Jahresprognose abermals angehoben.
Bestes Beispiel Siemens
Auf der anderen Seite meldeten am Donnerstag aber beispielsweise auch Siemens
, MAN
und BASF
erfreuliche Quartalsergebnisse. Und die Reaktion der Anleger darauf fiel überaus verhalten aus.
Bestes Beispiel Siemens: Der Elektroriese trumfte mit einem Gewinnsprung auf, Konzernchef Peter Löscher sprach von einem Rekordauftragsbestand und dem "besten Ergebnis aller Zeiten". Und die Aktionäre? Verkauften ihre Aktien und schickten den Kurs auf Talfahrt (Minus 2,4 Prozent).
Das verwunderte selbst Fachleute. Die meisten Aktienanalysten etwa wurden von dem Siemens-Bericht positiv überrascht. Die Quartalszahlen seien in jeder Hinsicht besser als erwartet ausgefallen, schrieb die Société Générale in einer spontanen Veröffentlichung. Siemens habe in sieben aufeinanderfolgenden Quartalen starke und saubere Gewinne für das Kerngeschäft gemeldet. Das Kursziel der Siemens-Aktie sehe man bei 92 Euro. Die Empfehlung der SocGen: Kaufen.
Ähnlich klingt die Einschätzung von Michael Busse von der LBBW. Er setzt die Siemens-Aktie zwar lediglich auf "hold". Das Minus am Donnerstag löst bei ihm allerdings ebenfalls Schulterzucken aus. Der 22-prozentige Anstieg bei den Auftragseingängen sei die größte positive Überraschung gewesen, so Busse. Zusammen mit dem ebenfalls starken freien Cash Flow hätte dies dem Papier nach seiner Ansicht eigentlich Auftrieb geben sollen.
Daimler hebt Prognose an - Anleger verkaufen
Dabei ist Siemens keineswegs ein Einzelfall. BASF meldete, der Gewinn habe sich im zweiten Quartal mehr als verdreifacht - und bis zum Abend hatte die Aktie mehr als 2,2 Prozent an Wert verloren. Auch MAN veröffentlichte auf den ersten Blick erfreuliche Ergebnisse. Mit einem Plus bei den Auftragseingängen um rund 60 Prozent sowie einem um mehr als 60 Prozent höheren operativen Ergebnis übertraf der Lkw-Bauer die Markterwartungen. Die Aktie trug mit 4 Prozent Kursverlust dennoch die beinahe rote Laterne im Dax.
Zu guter Letzt: Schon am Dienstag rauschte die Aktie von Daimler
ins Minus - nachdem der Autobauer, der nach der Krise zurzeit ein furioses Comeback feiert, zuvor verkündet hatte,
2010 einen Gewinn von sechs Milliarden Euro erzielen zu wollen. Es war bereits die zweite Anhebung der Prognose innerhalb kurzer Zeit.
Woran liegt das nun? Weshalb lösen einige Unternehmen mit positiven Berichten Aktienkäufe aus, während andere mit ähnlichen Meldungen die Anleger in die Flucht schlagen?
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