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29.07.2010
 

Vergessene Minenaktien

Goldhausse für Spätzünder

Von Christoph Rottwilm

Zunehmender Aufwand, größere Risiken: Goldsuche in einer Mine in Indonesien
AP

Zunehmender Aufwand, größere Risiken: Goldsuche in einer Mine in Indonesien

Um rund 200 Prozent ist der Goldpreis in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. An den Aktienkursen der meisten Goldminen ist dieser Höhenflug jedoch fast spurlos vorübergegangen. Die Papiere haben daher jetzt enormen Nachholbedarf, sagen Experten - falls der Goldpreis stabil bleibt.   

Hamburg - Viele Anleger werden sich zurzeit ärgern. Seit Jahren steigt der Goldpreis und immer wieder haben sie gezögert und für einen Einstieg auf die nächste Korrektur gewartet. Inzwischen notiert die Unze bei rund 1200 Dollar und zahlreiche Interessenten stehen nach wie vor ohne Gold im Depot da - sie haben die Hausse schlicht und ergreifend verpasst.

Das glauben diese Investoren zumindest. Möglicherweise bietet sich jedoch die Gelegenheit, das versäumte nachzuholen. Zumindest ein Teil der sensationellen Performance, die das gelbe Metall in den vergangenen Jahren hingelegt hat, könnte auf diese Weise nachträglich ins Portfolio gelangen. Immerhin hat sich Gold Chart zeigen seit 2005 um etwa 200 Prozent verteuert. Seit Anfang des Jahrzehnts beläuft sich die Wertsteigerung sogar auf beinahe 300 Prozent.

Des Rätsels Lösung: Während das Metall rasant abhob und von einem Rekordhoch zum anderen düste, legten die Kurse der meisten Goldminenaktien lediglich einen leichten Gleitflug hin. Das Papier von Barrick Gold Chart zeigen etwa notiert derzeit bei rund 30 Euro und damit kaum doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. Bei Newmont Mining Chart zeigen beträgt die Kurssteigerung seit 2005 sogar nur magere 30 Prozent. Einige Goldaktien blieben sogar gleich ganz am Boden, wie etwa die Papiere von Anglogold Ashanti, die heute wie vor fünf Jahren rund 30 Euro kosten.

Doppelter Goldpreis, vervierfachter Ertrag

Als Grund für die ungleiche Entwicklung nennen Experten vor allem das Verhalten der Anleger, die sofern sie auf Gold setzen, nicht mehr Aktien kaufen, sondern lieber Indexfonds, so genannte ETFs oder ETCs. Zudem findet auch der Erwerb physischen Goldes immer mehr Zuspruch.

Fachleute erwarten jedoch, dass die Schere zwischen Goldpreis und Kursniveau nicht auf Dauer bestehen bleiben wird. Schließlich seien es die Minen, die das Edelmetall auf den Markt brächten und vom Preis zuallererst profitierten. Nicht umsonst besage eine Faustregel, dass sich eine Schwankung beim Goldpreis im Verhältnis 1 zu 2 oder sogar 1 zu 3 in der Gewinnentwicklung der Minengesellschaften widerspiegelt. Zu deutsch: Verdoppelt sich der Goldpreis, so vervierfachen sich theoretisch die Erträge der Goldminen - mindestens.

Martin Stürner, Vorstandschef der PEH Wertpapier AG, ist sich daher sicher: "Die Diskrepanz wird sich zugunsten der Minenaktien auflösen." Stürner beobachtet aufmerksam die Entwicklung bestimmter Kennzahlen, an denen sich die Bewertung der Minenaktien ablesen lässt. "Die Relation vom Kurs-Gewinn-Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum der Unternehmen liegt bei einigen Gesellschaft wie Barrick und Newmont inzwischen bei 0,5", sagt er. "Das heißt, die Unternehmen wachsen schneller als der Preis steigt." Bei anderen Firmen - etwa Goldcorp oder Agnico Eagle - liegt der Wert nach Angaben des Experten sogar bei 0,3.

Wenn Gold, dann Aktien

Stürner sagt voraus, dass es bei solchen Werten auf Dauer nicht bleiben wird. "Diese Aktien sind stark unterbewertet", sagt er. "Solange der Goldpreis auf seinem jetzigen Niveau bleibt, verdienen die Firmen viel Geld. Das wird sich früher oder später im Kurs niederschlagen." Sein Fazit steht daher fest: Wer sich gegenwärtig für ein Goldinvestment entscheidet, sollte Goldaktien kaufen.

Mit dem Optimismus steht der Fondsmanager nicht alleine da. Nach Ansicht von Ronald Stöferle, Goldexperte der österreichischen Erste Group Bank, zählt der Goldminensektor zu den wenigen, denen 2010 und 2011 sowohl beim Umsatz als auch bei den Margen und dem Gewinn Wachstum beschert sein wird. "Andere Branchen holen einen Großteil ihres Gewinnwachstums derzeit aus Kosteneinsparungen", sagt er. "Das ist bei den Goldminen nicht der Fall."

Laut Stöferle haben viele Minen im laufenden Jahr bereits erfreuliche Ergebnisberichte abgeliefert. Vielfach wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen und die Prognosen nach oben revidiert, so der Experte.

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