Von Arne Gottschalck
Geht man also davon aus, dass die steigende Nachfrage nach goldorientierten ETFs, Papiergold also, die Kurse wieder nach oben treiben kann - was geschieht dann, wenn keiner mehr etwas von Gold wissen will? Handelt es sich also um eine papierne Blase?
Nein, wehren die meisten Experten ab. Experten wie die Royal Bank of Scotland. Dort heißt es, immerhin seien derzeit weltweit nur knapp 0,8 Prozent des weltweiten Finanzvermögens in Gold, Goldaktien und börsennotierten Goldfonds investiert. "In früheren Zeiten waren es schon einmal 20 Prozent und mehr." Und Philip Knüppel, der bei der Deutschen Bank das Produktmanagement der Exchange Traded Commodities (ETCs) als Vizepräsident verantwortet, ergänzt: "Die asiatischen Zentralbanken beginnen Gold aufzubauen. 1960 lag deren Anteil an den Goldreserven der G10-Staaten bei 1,5 Prozent, 2009 waren es bereits 9,9 Prozent". Viel Luft also, vor allem wenn sich diese aufstrebenden Länder von Teilen ihrer Dollar-Reserven trennen wollen.
Das Angebot der Finanzbranche steigt weiter
Die Finanzindustrie macht es ihnen einfach. Denn das Angebot an Papiergold steigt weiter. Die Deutsche Bank zum Beispiel bringt eine Reihe ETCs auf den Markt, die mit echtem Gold hinterlegt sind. "Mehr Sicherheit für den Anleger", meint Knüppel. Doch das Hauptproblem lösen auch solche Produkte nicht - die Vorhersage der Entwicklung des Goldpreises. Und damit die Frage nach der Existenz einer Blase.
Auch wenn viele Experten noch abwinken, die Kritiker sind da. Immerhin hat Anlagealtmeister George Soros Gold bereits im März dieses Jahres als "ultimative Vermögensblase" bezeichnet. Und Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, sagt gegenüber manager magazin: "Wichtigster Punkt ist das Anlageinteresse, das den Goldpreis so stark getrieben hat. Es ist eine Blase, die sich hier aufbaut, allerdings kann die Preisbewegung beim Gold noch einige Zeit nach oben laufen." Es sei nur nicht klar, wann die Blase platze, denn auch das neue Jahr stecke voller Unsicherheiten.
Seine Schlussfolgerung: "Strategien, das eigene Vermögen nun durch eine Übertragung in Gold zu 'retten', können sich als fatal erweisen. Das Problem mit diesen Strategien ist folgendes: Sie machen nur Sinn, wenn die befürchtete Entwicklung auch wirklich eintritt - wie Hyperinflation oder Währungszerrüttung. Geschieht das jedoch nicht, dann können diese Anlagen zu einer Falle werden, denn der Goldpreis oder der Kurs der Fluchtwährung können dann schnell fallen - und mit ihm der Wert des Vermögens."
Die Unsicherheit über die künftige Entwicklung des Goldpreises lässt sich mit Händen greifen. Denn es ist gerade das Kennzeichen einer Blase, dass niemand ihr leises Aufblähen bemerkt, erst ihr knallendes Bersten. Hätten die Banken nicht mit den Folgen einer der schwersten Krisen seit Langem zu kämpfen, man könnte auf die Idee kommen, statt für Gold eine Empfehlung für die Aktien von Finanzhäusern auszusprechen. Wie seinerzeit im Goldrausch in Alaska - nicht mitbuddeln, sondern Schaufeln verkaufen.
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