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22.07.2010
 

Gold

Wann platzt die Blase?

Von Arne Gottschalck

Gold: Der magische Mythos
Fotos
REUTERS

Gold wird seit Jahren immer teurer. Erst in den vergangenen Wochen kam die stete Wertsteigerung des Edelmetalls zu einem Halt. Nur eine kurze Wachstumspause oder der Anfang vom Ende? Noch hört kaum jemand auf die Mahner. Viele verweisen auf die steigende Bedeutung von "Papiergold".

Hamburg - Sie kennen sich nicht. Sie haben sich nie kennengelernt. Und John Ronald Reuel Tolkien und Jack London werden sich auch nie kennenlernen. Obwohl beide der Jagd nach Edelmetallen literarische Denkmäler gesetzt haben. London mit "Der Lockruf des Goldes", Tolkien mit "Der Herr der Ringe". Und ähnlich, wie beide ganz unterschiedliche Vorstellungen hatten, wie es mit den Edelmetallen weitergeht, diskutieren darüber auch Finanzexperten. Nimmt es ein böses Ende - wie Tolkien es vorhersah? Zitat: "Zu tief haben wir dort gegraben und das namenlose Grauen geweckt." Oder steigt der Goldpreis wieder an - und lässt den Reichtum der Menschen wie im Falle von Londons Romanfigur Elam Harnish wachsen?

Letzteres glauben viele Experten. Und führen eine Reihe Argumente an. Johanna Keller zum Beispiel, Fondsmanagerin des LO Funds World Gold Expertise. "Investoren schätzen Gold als sicheren Hafen in unsicheren Zeiten, weil es Schutz gegen Inflation und Währungsverfall bietet. Außerdem erlaubt das Goldinvestment Anlegern eine Abkoppelung von den Trends am Aktien- und Anleihenmarkt. Vor diesem Hintergrund dürfte der Goldpreis weiter steigen."

Auch Bradley George ist einer der Gold-Gläubigen. Er verantwortet von London aus das Rohstoffteam der Fondsgesellschaft Investec. "China ist ein Treiber des Goldpreises. Das Land steigerte seine Nachfrage im Schnitt pro Jahr um 13 Prozent pro Jahr, über die vergangenen fünf Jahre gerechnet", so der Co-Manager des Investec Global Gold Fund. Und diese Entwicklung sei kein Einzelfall. "Der Wechsel vom Nettokäufer zum Nettoverkäufer im offiziellen Sektor ist da", sagt er und meint damit das Verhalten der Zentralbanken. "Die haben zum Beispiel in Europa im ersten Quartal kaum Gold verkauft, nur ganz wenig für die Herstellung von Münzen."

Immer mehr Käufer greifen zu ETFs und ETCs

Der steigenden Nachfrage stehe ein bestenfalls stabiles Angebot gegenüber. "Viele Hersteller können den Output nicht steigern", so Fondsmanager George. "Im April zum Beispiel sank die Produktion in Südafrika um 6,2 Prozent im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres". Georges Schlussfolgerung: "Die Investmentnachfrage wird den Peak in die Nähe von 1400 Dollar treiben." Die Investmentnachfrage scheint zum Zünglein an der Waage geworden zu sein.

Dahinter verbergen sich jene Käufer, die Gold nicht wie in der Industrie verbauen oder als Schmuck nutzen wollen. Sondern an dessen Wertentwicklung interessiert sind. Ihre Bedeutung zeigt eine aktuelle Statistik der Deutschen Bank. Sie verzeichnet die größten Exchange Traded Funds (ETFs) in Deutschland, Wertpapieren, die in der Regel einen bestehenden Index abbilden. Von den sechs größten ETFs bilden drei einen Goldindex nach.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das so bleibt. Denn Nervosität an den Aktienmärkten schlägt den Anlegern erfahrungsgemäß aufs Gemüt - sodass sie Gold kaufen. Genau das schreibt zum Beispiel die Commerzbank in ihrem Bulletin. Genauer, die Aussetzung der Gespräche zwischen Ungarn und dem internationalen Währungsfonds (IWF) könnte die Nachfrage nach Gold erneut befeuern. Sie schreibt aber auch, dass "die Investmentnachfrage zuletzt keine Impulse mehr geliefert hat."

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