26.07.2010
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AgCo-Chef Richenhagen

"Ohne China würde die US-Wirtschaft nicht funktionieren"

Von Simon Hage

Agco-Chef Martin Richenhagen: "Einen großartigen Boom sehe ich für die Weltwirtschaft nicht"
REUTERS

Agco-Chef Martin Richenhagen: "Einen großartigen Boom sehe ich für die Weltwirtschaft nicht"

2. Teil: "Einen großartigen Boom sehe ich nicht"

mm: Von einigen Unternehmen hört man, ihr Vertrauen in die Banken habe unter der Krise gelitten. Wie ist das bei Ihnen?

Richenhagen: Wir haben uns frühzeitig angesehen, wo unsere Barmittel liegen. Finanzfachleute von Agco haben jede unserer Partnerbanken durchleuchtet und die Notbremse gezogen, wenn ihnen beispielsweise unseriöse Finanzanlagen oder Kreditnehmer auffielen. Unser solides Cash-Management wurde belohnt: Während andere Unternehmen in der Krise häufig abgewertet wurden, haben wir erstmals ein Investment-Grade erhalten. Agco genießt den Status hoher Kreditwürdigkeit.

mm: Wie haben Sie die Krise operativ in den Griff bekommen?

Richenhagen: Nachdem wir von 2006 bis 2008 umsatzseitig drei Rekordjahre in Folge erlebt hatten, wurden wir in der Krise auf das 2007er-Level zurück geworfen. Einen derart plötzlichen Einbruch habe ich in meiner ganzen Tätigkeit noch nicht erlebt. Wir haben daraufhin Kapazitäten reduziert und Bestände angepasst. In Deutschland waren wir auf Kurzarbeit, in anderen Ländern haben wir Werke zum Teil zeitweise geschlossen Außerdem haben wir uns von Zeitarbeitern verabschiedet. Unsere Strategie ist es, immer einen Anteil von 20 bis 30 Prozent an Zeitarbeitern zu haben, so dass man auf Schwankungen zügig reagieren kann.

mm: Das klingt sehr defensiv.

Richenhagen: Ist es aber nicht. Denn wir haben unsere Investitionsstrategie in globalen Wachstumsmärkten in der Krise forciert. In Russland betreiben wir nun ein Werk für Dieselmotoren, als nächster Schritt ist ein Montagewerk für Mähdrescher geplant. In China fertigen wir einfachere Traktorengetriebe und ermöglichen damit einen besseren Marktzugang. Auch am Standort Deutschland investieren wir: Das Fendt-Werk in Marktoberdorf soll weiter ausgebaut werden, um die Produktivität zu erhöhen. Zwar brauchen wir die neu entstehenden Kapazitäten derzeit nicht dringend. Die Mitarbeiter haben aber im Moment gerade Zeit, um die Modernisierung umzusetzen. Wir handeln also antizyklisch.

mm: Ihre Prognose: Wie wird sich die Weltwirtschaft in den nächsten drei bis fünf Jahren entwickeln?

Richenhagen: Ich glaube zwar nicht, dass es zu einem weiteren Abschwung kommt. Aber auch einen großartigen Boom sehe ich für die Weltwirtschaft nicht. Sicherlich wird es jedoch Ausnahmen geben: Brasilien, Russland, Indien und China werden vermutlich stärker wachsen als andere Länder. Aus meiner Sicht gilt für die Agrarbranche genauso wie für andere Industrien: Die schlimmste Durststrecke haben wir hinter uns.

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Heft 08/2010

Auf schmalem Brett Wie richten sich Topkonzerne auf die Risiken der Weltwirtschaft ein? Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 8/2010, ab Seite 70.



Zur Person

DPA
Martin Richenhagen führt seit dem Jahr 2004 den US-Landmaschinenhersteller Agco - weltweit die Nummer drei hinter John Deere und der Fiat-Tochter Case New Holland. Zur Konzernfamilie gehört der Traktorenbauer Fendt aus Marktoberdorf im Allgäu. CEO Richenhagen ist neben Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld der einzige Deutsche, der in den USA einen namhaften Konzern lenkt.








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