Samstag, 4. Februar 2012, 04:36 Uhr

manager magazin



26.07.2010
 

AgCo-Chef Richenhagen

"Ohne China würde die US-Wirtschaft nicht funktionieren"

Von Simon Hage

Agco-Chef Martin Richenhagen: "Einen großartigen Boom sehe ich für die Weltwirtschaft nicht"
REUTERS

Agco-Chef Martin Richenhagen: "Einen großartigen Boom sehe ich für die Weltwirtschaft nicht"

Die globale Ökonomie wird durch zunehmendem staatlichen Einfluss bedroht, sagt Martin Richenhagen. Der Chef des US-Landmaschinenbauers und Fendt-Mutterkonzerns Agco beklagt im Interview mit manager magazin konfuses Verhalten der Regierung - und verrät seine Strategie für unsichere Zeiten.

mm: Herr Richenhagen, das aktuelle manager magazin analysiert Gefahren und Unsicherheiten, denen Konzernstrategen im aktuellen globalen Umfeld unterworfen sind. Wo sehen Sie die derzeit größten Risiken?

Richenhagen: Eine große Gefahr sehe ich im zunehmenden Bemühen der Regierungen, ihre heimischen Volkswirtschaften in Folge der Krise vor ausländischer Konkurrenz abzuschirmen. US-Präsident Barack Obama hat unlängst wieder gesagt, Amerika müsse künftig mehr eigene Produkte und weniger im Ausland kaufen. Das ist für meine Begriffe Augenwischerei: Denn ohne China würde die amerikanische Volkswirtschaft nicht funktionieren.

mm: Ist es nicht nachvollziehbar, dass Obama die gewaltige Importabhängigkeit der USA reduzieren will?

Richenhagen: Vielleicht aus Sicht der USA. Aber letztlich schaden Regierungen mit derartigen Maßnahmen sich selbst: Protektionismus schränkt die Freiheit der Märkte ein, führt zu Verzerrungen der Preise und bremst damit das Wachstum der Weltökonomie. Für global agierende Unternehmen wie Agco bedeutet zunehmender Staatseinfluss auf die Wirtschaft außerdem einen Verlust an Planbarkeit. Wir brauchen solide, kalkulierbare und langfristig angelegte Rahmenbedingungen.

mm: Protektionismus mag die falsche Antwort sein. Doch im Kern reagieren die Regierungen doch nur auf eine Krise, die von anderen ausgelöst wurde - beispielsweise allzu risikofreudigen Finanzinstituten.

Richenhagen: Meiner Ansicht nach ist es paradox, dass die Politik mit dem Finger auf die Wirtschaft zeigt und ihr die Schuld für die Krise gibt. In Deutschland beispielsweise wurden doch gerade diejenigen Banken besonders gebeutelt, die entweder den Staat oder ein Bundesland als Mehrheitseigner haben. Leider ist politisches Handeln insgesamt sehr volatil und unberechenbar geworden.

mm: Was meinen Sie damit?

Richenhagen: Erst verspricht man umfangreiche Steuersenkungen, dann gewährt man Rabatte für Hoteliers - und plötzlich geht es ausschließlich um neue Belastungen. Heute vertreten Politiker nur noch Meinungen, um gewählt zu werden. Früher war das genau umgekehrt: Politiker wurden gewählt, weil sie für eine bestimmte Meinung standen.

mm: Welche Lehren ziehen Sie als Unternehmenslenker aus der Krise?

Richenhagen: Die Krise hat gezeigt, wie wichtig eine solide Finanzierung ist. Als ich bei Agco vor sechs Jahren angefangen habe, lag die Verschuldungsquote im Verhältnis zum Gesamtkapital noch bei gut 60 Prozent. Ich habe frühzeitig angefangen, unsere üppigen Gewinne dazu zu nutzen, Kredite zu tilgen. Während der Krise habe ich dieses Vorgehen beschleunigt - und die letzten Großkredite abbezahlt. Natürlich werden wir die Fremdfinanzierung zwischenzeitlich auch wieder einmal steigern, um beispielsweise Akquisitionen tätigen zu können. Wir wollen die Quote jedoch langfristig auf niedrigem Niveau halten, auch in Boomphasen.

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Heft 08/2010

Auf schmalem Brett Wie richten sich Topkonzerne auf die Risiken der Weltwirtschaft ein? Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 8/2010, ab Seite 70.



Zur Person

DPA
Martin Richenhagen führt seit dem Jahr 2004 den US-Landmaschinenhersteller Agco - weltweit die Nummer drei hinter John Deere und der Fiat-Tochter Case New Holland. Zur Konzernfamilie gehört der Traktorenbauer Fendt aus Marktoberdorf im Allgäu. CEO Richenhagen ist neben Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld der einzige Deutsche, der in den USA einen namhaften Konzern lenkt.








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