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16.07.2010
 

Schuldenkrise

Staaten wollen mehr Immobilien verkaufen

Von Christoph Rottwilm

Geld für den Staat: Was Europas Regierungen verkaufen wollen
Fotos
DDP

Chance für Anleger: Wer gerne in Immobilienfonds mit staatlichen Mietern investiert, wird künftig reichlich Gelegenheit bekommen. Denn angesichts horrender Schuldenprobleme veräußern immer mehr Staaten in Europa ihren Immobilienbesitz - und sorgen dann als Mieter oft für stetigen Cash-Flow.

Hamburg - Sichere Investments stehen bei Anlegern weiter hoch im Kurs. Zum Beispiel Immobilien, bei denen staatliche Einrichtungen als Mieter fungieren. Vor dem Hintergrund hat die Schuldenkrise in der Euro-Zone für Investoren auch ihr Gutes. Denn nach Einschätzung von Experten führt sie dazu, dass Staaten mehr und mehr Immobilien verkaufen, um ihre Haushaltslage zu entspannen. Nach dem Verkauf bleiben die öffentlich-rechtlichen Mieter meist in den Räumen - und sorgen für dauerhaft sichere und stabile Einnahmen.

"Viele europäische Regierungen verstärken aktuell ihre Verkaufsanstrengungen, um damit der vielerorts angespannten Haushaltslage zu begegnen", sagt Fabian Klein, Chef der Investmentabteilung beim Immobilienberater CB Richard Ellis in Deutschland. "Deshalb gehen wir davon aus, dass sich der Anteil am Gesamtmarkt europaweit erhöhen wird."

Bislang kaum eine Steigerung der Aktivität

Spielraum nach oben gibt es augenscheinlich reichlich: Im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre liegt der Anteil von Verkäufen durch die öffentliche Hand europaweit laut CBRE bei lediglich 2 bis 2,5 Prozent.

Dabei schwanken die Volumina mit dem Auf und Ab der Märkte erheblich. Brachten es die staatlichen Immobilienverkäufe 2003 bis 2005 zusammen auf lediglich 3,5 Milliarden Euro, so stieg deren Volumen in den Jahren 2006 und 2007, als die Märkte boomten, laut CBRE auf mehr als 13 Milliarden Euro. In der Krise brach das Geschäft dann wieder ein. Geringere Transaktionszahlen, aber auch sinkende Objektwerte und Preise sorgten für einen Rückgang auf nur noch gut drei Milliarden Euro in den vergangenen beiden Jahren. 840 Millionen Euro davon entfielen laut CBRE auf das Jahr 2009.

Auch Andreas Quint glaubt, dass das Volumen künftig wieder steigen könnte. "Die Haushaltslage müsste die Staaten zu Verkäufen bewegen", sagt der Deutschlandchef der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle. "Allerdings können wir derzeit noch keine wirkliche Steigerung der Aktivität erkennen."

Großbritannien will Immobilien für 35 Milliarden Euro verkaufen

Laut Quint gibt es dafür vor allem drei Gründe: Die staatlichen Immobilien seien nicht immer von der besten Qualität und befänden sich oft auch nicht in bester Lage. Zudem seien speziell auf dem Wohnimmobilienmarkt zuletzt umfangreiche Verkaufsvorhaben in Freiburg und Köln gescheitert, weil das Misstrauen gegenüber den Investoren und künftigen Vermietern in der Öffentlichkeit zu groß war. Und drittens, so Quint, wissen auch Finanzminister, dass es langfristig teurer sei, eine Immobilie zu mieten, als sie im Eigentum zu halten. "Beim Verkauf erhält man zwar einen Erlös, der die Staatskasse entlastet", sagt der Experte. "Dem stehen danach aber dauerhafte Mietzahlungen gegenüber."

Dennoch: In vielen Ländern finden sich Indizien dafür, dass künftig mehr öffentliche Immobilien auf den Markt kommen werden. Beispiel Großbritannien: Dort will der Staat nach letzten Verlautbarungen in den kommenden zehn Jahren Immobilien im Wert von 35 Milliarden Pfund veräußern. Dazu zählen Studentenwohnheime ebenso wie Infrastrukturprojekte. Die Ankündigung stammt zwar noch von der alten Regierung unter Premier Gordon Brown, so CBRE in einem aktuellen Marktbericht. Wenn überhaupt, dann sei es aber wahrscheinlich, dass der Wert unter dem neuen Regiment David Camerons eher steige, als dass er sinke.

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