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15.07.2010
 

Brasiliens Präsident Lula

Schlussakkord der Samba?

Von Arne Gottschalck

Brasiliens Präsident Lula: Seine zweite Amtszeit endet. Und dann?
REUTERS

Brasiliens Präsident Lula: Seine zweite Amtszeit endet. Und dann?

Präsident Luiz Inácio Lula führte Brasilien zu einem kaum für möglich gehaltenen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch im Oktober ist Schluss damit - die Wahlen stehen an. Und Lula kann nicht mehr gewählt werden. Jetzt fürchten die Ersten, dass mit Lula die Wachstumsidee für eine ganze Region verschwinden könnte. 

Hamburg - Schafft er es? Mit seiner Vergangenheit? Er könnte ein ganzes Land in den Ruin stürzen. So redete man zu Beginn des Jahres 2002 über Luiz Inácio Lula da Silva, genannt Lula. Der war zuvor Gewerkschaftler und wollte Präsident Brasiliens werden. Ein Affront für konservative Beobachter. 2010 das gleiche Bild - und dennoch mit ganz anderen Vorzeichen.

Diesmal geht Lula, und wieder fragt sich alles, ob das Land so etwas verkraften kann. Und die Frage ist viel gravierender als noch 2002. Denn damals war Brasilien ein Entwicklungsland. Heute ist es eine aufstrebende Wirtschaftsmacht, die Investoren weltweit mit stetem Wachstum überzeugt. Entsprechend genau schauen eben jene Geldgeber hin.

"Als Favoriten gelten derzeit die von Lula nominierte Arbeiterpartei (PT)-Kandidatin Dilma Rousseff - derzeit Stabschefin - sowie der oppositionelle PSDB-Kandidat José Serra - der bisherige Gouverneur von Sao Paulo", sagt Patrick Pastollnigg, Fondsmanager im Team der "Emerging Markets Equities" bei Raiffeisen Capital Management. "Professionelle Anleger schätzen den Oppositionskandidaten Serra als wirtschaftsliberal ein, während man Rousseff nachsagt, vor allem an einem Ausbau des staatlichen Sektors interessiert zu sein." Ist er das, der Lula-Effekt - die Gefährdung der Wirtschaft durch politische Risiken?

Unrealistisch ist das nicht. "Einzelne Länder wie Argentinien, Bolivien oder Venezuela haben mit Verstaatlichungen und stark wachsenden Staatsausgaben einen gänzlich anderen Kurs eingeschlagen", so Pastollnigg. Folgt jetzt ausgerechnet Brasilien, das Goldman-Sachs-Chefökonom Jim O'Neill in einem Geniestreich gemeinsam mit Russland, Indien und China unter dem Akronym BRIC zusammenzufasste? Seitdem reißen sich die Investoren darum, am Sternenflug dieser Länder teilzuhaben.

Dessen Daten lesen sich tatsächlich beeindruckend. Wer sein Geld Ende 2008 beispielsweise in ein BRIC-ETF steckte, sah sein Vermögen bereits am Ende des Folgejahres verdoppelt.

Brasilien, das sind vor allem Rohstoffe wie Bauxit oder Kupfer Chart zeigen. Auch Russland profitiert von seinen Rohstoffen. Und zehrt von einem weiteren Plus. "Der russische Aktienmarkt bietet Anlegern auf Jahressicht das weltweit günstigste Bewertungsniveau, dicht gefolgt von türkischen Aktien", hat die Fondsgesellschaft Pioneer Investments in einer aktuellen Marktuntersuchung errechnet.

Das generelle Urteil über alle vier Länder liest sich im trockenen Finanzjargon so: "Vor allem die strukturellen Veränderungen in China und Brasilien in Bezug auf die eigene Binnenmarktaktivität verheißen hohe, dynamische Wachstumspotenziale und sind ein Zeichen für den stattfindenden Paradigmenwechsel", sagt der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber. "Das bedeutet: Die Abhängigkeit zum Exportvolumen wird sukzessive reduziert und Investitionen und der private Verbrauch rücken vermehrt in den Fokus."

Mit einfacheren Worten - da in diesen Ländern immer mehr Einheimische zu Geld kommen und einkaufen können, sind sie nicht mehr so auf den Export angewiesen. Und das macht die Regionen unabhängiger von globalen Krisen. Für den Vermögensverwalter steht daher fest: "Die Zukunft wird diesen Volkswirtschaften gehören." Umso wichtiger, dass die Zukunft dieser Länder planbar bleibt.

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