Hamburg - Wenn es einen Moment gibt, an dem es sich lohnt in einen Markt zu investieren, dann ist es der Tiefpunkt eines Zyklus. Die Containerschifffahrt befindet sich gerade an einem solchen Punkt - oder hat ihn vor kurzem passiert.
Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise war der Welthandel eingebrochen und mit ihm die Schifffahrtsmärkte. Die Charterraten, zu denen Reeder ihre Schiffe vermieten, dümpelten monatelang auf einem Niveau weit unter dem, welches für einen wirtschaftlichen Betrieb der meisten Schiffe erforderlich ist.
Diese Periode gehört jedoch nun der Vergangenheit an. Die Containerschifffahrt hat den Tiefpunkt der Krise offenbar durchschritten, die Charterraten sind seit Dezember 2009 schon wieder um fast 50 Prozent gestiegen, wie das britische Institut Clarkson vorrechnet.
Auch die Umschlagszahlen der großen Containerhäfen rund um die Welt legen wieder zu. Sie waren im Zuge der Krise im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich zurückgegangen. Beim Reisekonzern Tui
mit der Reedereitochter Hapag-Lloyd macht sich der Aufschwung schon so sehr bemerkbar, dass das Unternehmen am Dienstag
die Jahresprognose anheben konnte - die MDax-Aktie vollzog daraufhin einen Kurssprung um 10 Prozent.
Initiator: "Klassische Schiffsfonds zurzeit kaum machbar"
Auch Anleger geschlossener Fonds könnten sich nun freuen. Jahrelang wurden ihnen Beteiligungen angeboten, mit denen sie auf recht einfache Weise am zeitweiligen Boom der Containerschifffahrt mitverdienen konnten. Das simple Prinzip: Die Fondsgesellschaft erwarb ein Schiff, das möglichst lange verchartert war und daher über vergleichsweise verlässliche Einnahmen verfügte. Die relativ sicheren Rückflüsse wurden dabei zusätzlich durch den Einsatz von Fremdmitteln, so genannten Schiffshypotheken, gehebelt.
Genau diese Fonds wären jetzt wohl das richtige Vehikel, um vom erneuten Aufschwung der Containerschifffahrt zu profitieren. Das Problem ist nur: Solche Fonds werden zurzeit am Markt kaum angeboten.
"Klassische Schiffsfonds mit Containerschiffen sind momentan schwierig umsetzbar", sagt Volker Simmering vom Emissionshaus Paribus. "Das liegt vor allem daran, dass die Anleger bei diesen Fonds derzeit noch sehr zurückhaltend sind, und dass es schwierig ist, die erforderlichen Kredite von Banken zu bekommen."
Ein Blick auf die Vertriebsplattform eFonds24, die einen Großteil des Marktes abbildet bestätigt: Lediglich drei klassische Containerschiffsfonds sind dort zurzeit im Angebot. Künftig dürften es allerdings wieder mehr werden, so Geschäftsführer Christian Huber.
Zum Hintergrund: Viele Anleger haben in der Krise schlechte Erfahrungen mit Schiffsfonds gemacht. Ausschüttungen blieben aus, reihenweise gerieten Beteiligungsgesellschaften in Liquiditätsnot, wurden die Investoren um Nachschüsse oder Kapitalerhöhungen gebeten. Selbst Insolvenzen hat es schon gegeben.
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