Von Arvid Kaiser
China nutzt seine Banken als Instrument der Konjunkturpolitik. 2009 verlieh die ABC ein Drittel mehr Geld als im Vorjahr, um gar nicht erst den Anschein einer Kreditklemme zuzulassen. "Das könnte die Qualität unseres Kreditbuchs beeinträchtigen", warnt die Bank im Börsenprospekt.
Für die Zukunft seien Staatshilfen wie die gigantische Bad Bank, für die ABC auch noch Gebühren kassiert, oder die allen Banken garantierte Mindestzinsmarge nicht sicher. Derzeit bemüht sich die Zentralbank, das Wachstumstempo zu drosseln, ohne den Motor ganz abzuwürgen.
Das private Kapital soll, zusammen mit dem erwarteten Boom der ärmeren Regionen Chinas, für einen Neuanfang auf stabilerer Basis sorgen. "Die Regierung will, dass der Markt die Geschäfte von ABC kontrolliert und absichert, dass kein verliehener Cent verschwendet wird", sagt Xu Weihong vom Shanghaier Analysehaus Guodu.
Xiang Junbos Faible für Antikorruptionsdramen kommt nicht von ungefähr. Zu oft wird die ABC bisher von örtlichen Funktionären als Selbstbedienungsladen gesehen. Die Bank selbst listet im Börsenprospekt einige Skandale der jüngsten Jahre auf. So hatten zwei Firmen in der Mandschurei ABC-Schecks gefälscht und die Bank so um elf Millionen Euro betrogen. 2007 flog in der Stadt Handan der größte Bankraub der chinesischen Geschichte auf, zwei Mitarbeiter entwendeten fünf Millionen Euro aus dem Tresor. Zuvor hatte sich der Tibet-Chef der Bank jahrelang mit Millionensummen bestechen lassen.
Anleger zeigen sich angetan
"Wir könnten außerstande sein, Betrug und anderes Fehlverhalten unserer Mitarbeiter oder Dritter aufzudecken und zu verhindern", heißt es im Pflichtteil zu den Risiken des Aktienkaufs. Das Bankgeschäft auf dem Land liefere traditionell höhere Risiken und niedrigere Renditen als in der Stadt.
Solange Chinas Führung aber an dem Plan festhält, die Lebensverhältnisse im abgehängten Westen denen im reichen Osten des Landes anzugleichen, dürfte die ABC besonders profitieren. 6,6 Milliarden Euro verdiente sie im vergangenen Jahr, mindestens 8,5 Milliarden sollen es 2010 werden.
Die großen institutionellen Anleger zeigen sich jedenfalls angetan. Elf Ankeraktionäre haben bereits zugesagt, in Hongkong Aktien für fünf Milliarden Euro zu zeichnen, darunter die Staatsfonds von Katar, Kuwait und Singapur, die Großbanken Standard Chartered und Rabobank, der Milliardär Li Ka-shing oder der Agrarkonzern Archer Daniels Midland.
In Shanghai wollen die großen chinesischen Versicherungen und Pensionsfonds zugreifen. Sie alle setzen darauf, dass der Staat seinem Funktionär Xiang Junbo das Happy End schon nicht verwehren werde.
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