Wie stark sich Wechselkursänderungen auf die Kapitalanlagemärkte auswirken können, ist seit einigen Tagen an der Börse zu beobachten. Allein die Ankündigung Chinas, im Dauerstreit mit den USA ein Stück nachzugeben und die seit zwei Jahren gültige Bindung des Renminbi an den Dollar
zu lösen, sorgte am Aktienmarkt zu Wochenbeginn für Kursgewinne. In der Erwartung einer Aufwertung des Renminbi stiegen im Dax
die Papiere der Autobauer Volkswagen
, BMW
und Daimler
, die über ein starkes China-Geschäft verfügen. Und auch in den USA legten exportorientierte Titel wie Caterpillar
und General Electric
kräftig zu.
Inzwischen ist diese Euphorie zwar wieder verflogen. Die geringfügige Aufwertung des Renminbi am Dienstag enttäuschte bereits viele. Zudem stoppte China den Flug der Währung mit Dollar-Käufen. Ein Großteil der Kursgewinne, die den Renminbi auf ein Fünf-Jahres-Hoch getrieben hatten, wurde so wieder zunichtegemacht. Die Reform werde "schrittweise und kontrolliert" erfolgen, kündigte ein Sprecher des Außenministeriums an. Und die chinesische Notenbank warnte, es gebe "keine Basis für eine Aufwertung in großem Umfang".
Trotz dieser Dämpfer dürfte die Botschaft jedoch bei Anlegern angekommen sein: Die Wechselkurse zwischen den großen Währungen müssen beachtet werden. Denn sie haben großen Einfluss auf die Anlageergebnisse. Und sie befinden sich in Zeiten weltweiter Wirtschaftsturbulenzen und irritierender Staatsschuldenkrisen immer stärker in Bewegung.
Länder im Abwertungswettlauf
Diese Erkenntnis allein ist aber noch nicht viel wert. Die Frage ist vielmehr: Was tun, wenn der Euro
Achterbahn fährt? Wie das Portfolio ausrichten, wenn mit Dollar, Pfund und Yen auch die anderen wichtigen westlichen Währungen heftigen Turbulenzen ausgesetzt sind?
"Für Anleger ist die Situation im Moment enorm schwierig", sagt Eberhard Weinberger, Vorstand beim Vermögensverwalter DJE Kapital AG. "Nahezu alle großen Währungen der Industrieländer scheinen sich in einem langfristigen Abwärtstrend zu befinden." Angesichts der wirtschaftlichen Probleme in den Ländern sowie der Schuldenlasten auf den öffentlichen Haushalten sieht es für Weinberger fast nach einem Abwertungswettlauf der Nationen aus. "Die Länder könnten so versuchen, die Exportchancen ihrer heimischen Wirtschaft zu verbessern", sagt er.
Die Kehrseite der Medaille: Während die westliche Welt um ihren wackligen Aufschwung nach der Krise bangt, melden China und andere Schwellenländer in Fernost bereits wieder robuste Wachstumszahlen. Die Erfolge Chinas in der jüngeren Vergangenheit basierten dabei zu einem Großteil auf der festen Bindung der Landeswährung an den US-Dollar, die jetzt aufgelöst werden soll. Dadurch verharrte der Renminbi auf einem günstigen Niveau, das Experten zufolge kaum seinem wahren Wert entspricht - das der chinesischen Exportwirtschaft aber das Geschäft erleichtert.
Drei Gründe, die für China sprechen
"Der Aufwertungsdruck auf die chinesische Währung ist groß", sagt Weinberger. "Deshalb und weil das wirtschaftliche Umfeld in Fernost ohnehin besser ist, sollten Anleger einen Teil ihres Portfolios auf asiatische Länder verlagern."
Der Experte rät zu strategischen Entscheidungen. Investoren sollten seiner Ansicht nach keinesfalls versuchen, die aktuellen Turbulenzen durch schnelles Verlagern des eigenen Portfolios von einem Währungsraum in den anderen in rasche Gewinne umzumünzen. "So etwas ist Sache von Profis und institutionellen Anlegern", sagt Weinberger.
Mit der Einschätzung steht er nicht allein da. Die Marktstrategen der weltweit agierenden Fondsgesellschaft Barings etwa schreiben in einem aktuellen Kommentar, die Entscheidung der Chinesen, die Bindung des Renminbi an den Dollar zu lösen, bestätige die positive Einstellung zu den Aktienmärkten in Hongkong und China.
Anleger, so Barings, können davon aus drei Gründen profitieren. Erstens verringere sich durch das Entgegenkommen die Gefahr von Handelssanktionen seitens der USA gegenüber China, die sich negativ auf dortige Unternehmen und die Risikoprämien an den Aktienmärkten auswirken könnten. Es sei kein Zufall, dass der Schritt unmittelbar vor dem G20-Treffen am Wochenende in Toronto erfolgt sei, so Barings. US-Präsident Barack Obama habe ihn bereits begrüßt.
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