Von Lutz Reiche
Hamburg - Die Deutschen machen sich Sorgen. Mehr als zuvor und viel mehr als andere Europäer, wie eine GfK-Studie zeigt. Die Sorge um den eigenen Job, die Wirtschaft, die Inflation und das Gesundheitswesen treiben die Deutschen am meisten um - und zwar genau in dieser Reihenfolge. Auf der Hitliste der größten Sorgen rangiert das Thema Rente und Altersvorsorge lediglich auf Platz fünf. Also alles klar im Land der künftigen Riester- und Rürup-Rentner? Wohl kaum, wenn man einer neuen Studie Glauben schenken darf.
Es ist schon eine Crux mit der Altersvorsorge. Da warnen Politik und Vorsorgeindustrie im Zuge der Rentenreformen seit Jahren vor der Einkommens- und Rentenlücke im Alter. Millionen Menschen sichern sich über die Riester-Rente zusätzlich ab, wähnen sich halbwegs gut versorgt. Doch schon klafft eine "neue Einkommenslücke" auf, wie eine neue Studie des bankenfinanzierten Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) jetzt behauptet. Darüber sollte die jüngere erwerbstätige Generation nachdenken und ihre Vorsorgeplanungen anpassen, raten die Autoren Rainer Braun und Ulrich Pfeiffer.
Zur Schwarzmalerei bestehe aber kein Anlass. Auch die "neue" Lücke ließe sich schließen. "Jedem bleibt während seiner gesamten Erwerbstätigkeit jeweils Jahr für Jahr rechtzeitig und ausreichend Zeit für Anpassungen", beruhigen die Wissenschaftler und formulieren schließlich Faustregeln für das Vorsorgesparen.
Typischem Rentnerpaar fehlen schon jetzt 329 Euro im Alter
Nach Berechnungen der Autoren verfügt ein aus statistischer Sicht typischer Rentnerhaushalt mit zwei Personen nach Abzug von Steuern und Abgaben heute über rund 1700 Euro netto im Monat. Will ein identischer Rentnerhaushalt im Jahr 2030 über ein gleich hohes Nettoeinkommen verfügen wie heutige Rentner, muss er zusätzlich privat vorsorgen.
Je nachdem wie sich die Sozialversicherungen entwickelten, müssten dem Rentnerpaar dann aus einer privaten Vorsorge zusätzlich zwischen 245 Euro (optimistische Variante) und 329 Euro brutto (pessimistische Variante) im Monat zufließen.
Preise für "Rentnergüter" steigen schneller
In ihren Modellrechnungen unterstellen die Wissenschaftler eine ganze Reihe von Annahmen, die sich hier nicht detailliert darstellen lassen. Bei der optimistischeren Variante gehen die Autoren im Kern von künftig geringeren Abschlägen bei der Rente sowie geringeren Erhöhungen bei den Beitragssätzen zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung aus.
Rechnungen über den zusätzlichen Vorsorgebedarf im Alter ließen bislang einen "rentnerspezifischen Kaufkraftverlust" außen vor. Dieser werde künftig aber eine größere Rolle spielen, sind die Autoren überzeugt. Rentner unterscheiden sich von jüngeren Menschen durch eine andere Zusammensetzung ihrer Konsumausgaben und ihrer Bedürfnisse. Wenn die Preise für das "rentnerspezifische Güterbündel" schneller steigen als die Durchschnittspreise, dann ließe sich von einer "rentnerspezifischen Inflation" und in der Folge von einem "rentnerspezifischen Kaufkraftverlust" sprechen.
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