Hamburg - Die Reaktion der Börse am Montag war eindeutig: Die Aktie der Deutschen Lufthansa verlor 1,3 Prozent an Wert, die von Air France-KLM 1,5 Prozent und die von British Airways gleich 2,3 Prozent. Und damit sind nur einige Airline-Papiere genannt, die im Sinkflug in die Woche starteten.
Auslöser der Verluste war der Weltluftfahrtverband IATA, der in Berlin im Vorfeld der Luftfahrtausstellung ILA seine Aussichten auf das laufende Jahr kundtat. Dabei verbreitete IATA-Chef Giovanni Bisignani zwar jede Menge Optimismus - Europa nahm er davon aber weitgehend aus.
Mit einem hauchdünnen Gewinn werden die Fluggesellschaften weltweit in diesem Jahr erstmals seit 2007 wieder profitabel sein, sagte Bisignani. Auch der Umsatz werde deutlich steigen. Damit hat die IATA ihre Prognose vom März, als noch ein Verlust in Aussicht gestellt wurde, deutlich nach oben revidiert.
Das Problem ist nur: Selbst wenn es die Branche insgesamt in die schwarzen Zahlen schafft, wird ein Großteil das Jahr 2010 laut IATA wiederum mit einem Minus abschließen. Und das eben gelte vor allem für die Airlines auf dem alten Kontinent, wo die Konjunktur nicht so schnell in Gang komme, wie anderswo auf dem Globus.
Aschewolke verdirbt Jahresauftakt
Die Aktie der Lufthansa gab am Dienstag weiter nach, da die geplante Luftverkehrsabgabe der Bundesregierung für zusätzliche schlechte Stimmung sorgte. Düstere Aussichten also für Lufthansa, Air France-KLM und Co.?
Analysten sind anderer Meinung. "Das Problem war in erster Linie die Aschewolke, die den Fluggesellschaften in Europa den Start in das Jahr verdorben hat", sagt Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe. "Insgesamt aber gibt es auch in Europa einen klaren Aufwärtstrend, und zwar sowohl bei der Passagier- als auch vor allem bei der Frachtfliegerei." Die Fluggesellschaften hätten derzeit lediglich Schwierigkeiten, Profit aus dem Trend zu schlagen, weil sich die Preise nur schwer erhöhen ließen.
Robert Heberger sieht die Luftfahrt ebenfalls im Aufwind. "Auch im wichtigen teureren Ticketsegment zieht die Nachfrage bereits wieder an", sagt der Analyst von Merck Finck. "Der leichte Rückgang der Kerosinpreise zuletzt kommt den Airlines ebenfalls zugute."
Den Optimismus bestätigt der hiesige Branchenprimus, die Deutsche Lufthansa, die sich am Montag ebenfalls zu ihren Geschäften äußerte. Der Tenor: Das Unternehmen verspürt eine Nachfragebelebung, selbst auf den langen Strecken. Noch schneller als das Passagier- erhole sich das Frachtgeschäft.
Flugpreise im Keller
Obwohl sich die Preise derzeit noch "absolut im Keller" befänden, hält die Lufthansa daher an ihrem Ziel fest: Das operative Ergebnis von 130 Millionen Euro aus dem vergangenen Jahr soll 2010 gesteigert und nach Möglichkeit wieder eine Dividende gezahlt werden.
Anleger, die ebenfalls an die Erholung der Luftfahrt glauben, haben im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, daran zu partizipieren. Weniger Risiko, dafür aber geringere Chancen auf hohe Kursgewinne bieten Aktien von Flughafenbetreibern wie Fraport. "Die Betreiber haben im Vergleich zu den Airlines das krisenfestere Geschäftsmodell", erläutert Analyst Hein. "Sie vergeben Verträge über Start- und Landerechte, so genannte Slots, die die Fluggesellschaften auch in Krisen nur selten zurückgeben." Dadurch verfügen die Gesellschaften auch in schlechten Zeiten über einen relativ stabilen Cash-Flow und eine vergleichsweise sichere Dividende, sagt der Analyst.
Das Geschäft der Airlines dagegen gilt als anfälliger, weil im Krisenfall schlicht die Passagiere wegbleiben. Und geht es wieder aufwärts, so haben sie - wie auch derzeit - oft Probleme, Preiserhöhungen an ihre Kunden weiterzugeben.
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH