Von Arne Gottschalck
Bruns Fazit: "Für die deutsche Wirtschaft ist Spanien wesentlich wichtiger als Griechenland, allein schon der volkswirtschaftlichen Größe wegen". Das Land hat für die deutsche Wirtschaft und für die deutschen Aktien also ein deutlich höheres Gewicht als das federleichte Griechenland. Doch es sind nicht nur die Fakten, die einen möglichen spanischen Einfluss auf Deutschland bestimmen. Es ist eine eigenartige Mischung aus greifbaren Fakten und Stimmungen.
Erst Pfingsten hatte die Bank von Spanien die Sparkasse Caja Sur übernommen - eine Tatsache. Und prompt sackte der Euro ab und der spanische Börsenindex Ibex büßte 3 Prozent an Wert ein. Und das eben auch stimmungsgetrieben. Eine Bankenrettung in Spanien sei nicht das Problem, sagte Elsa Lignos, Währungsstrategin der Royal Bank of Scotland.
Die Angst vor weiteren Bankenpleiten in Spanien
Doch dann folgt ihr "Aber". Sollten noch andere Banken Probleme haben, könnte das neuen Druck auf den Euro ausüben. Auch Aktionäre würden verschnupft reagieren. Und darauf dürfte es hinauslaufen, schreibt die Vermögensverwaltung Meridio in einer aktuellen Analyse. Bankenpleiten in Ländern wie Spanien oder Italien, "die werden fast sicher kommen, da in diesen Ländern noch immer der Druck auf die Märkte enorm hoch ist. Jede Bank, die hier nicht blitzsaubere Bilanzen ohne Spuren von faulen oder schwer verkäuflichen Anleihen ausweist, wird unter Rechtfertigungsdruck kommen."
Die gleiche Melange zwischen Fakten und flatternden Nerven zeigt sich im Fall der Ratingagenturen. Fitch, eine der sogenannten großen Drei, hat die Bonität Spaniens um eine Note nach unten korrigiert. Und auch, wenn inzwischen immer öfter um die Wertigkeit dieser Urteile gestritten wird; die Finanzmärkte beachten so ein Verdikt - weil sie nicht anders können.
Fitch und die Folgen - Großinvestoren unter Verkaufszwang
Denn eine ganze Reihe Großinvestoren haben strenge Vorgaben, in was für Papiere sie investieren dürfen. Und wird ein Papier abgestuft, passt es nicht mehr in den Anlagekatalog und wird verkauft. Und das führt dazu, dass weitere Investoren abspringen - oftmals aus dem Bauch heraus.
Unter anderem, weil "der Fokus der Berichterstattung aktuell einzig und allein auf Hiobsbotschaften gerichtet ist und den zuletzt erfreulichen Konjunkturindikatoren kaum Beachtung geschenkt wird", mutmaßt Meridio.
Doch was bleibt derweil den deutschen Aktionären? Präventives Trostsonnenbaden in Erwartung eines weiteren Kursrutsches? Oder die Spanien-Irritationen nach der jüngsten Kurserholung in dieser Woche abhaken und kaufen? Immerhin könnte der spanische Einfluss auf Deutschlands Börsen ja geringer ausfallen, als befürchtet. Wer weiß. Vielleicht heißt es schon bald wieder "se vende" - für deutsche Aktien.
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