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04.06.2010
 

Dax-Geflüster

Spanische Grippe für deutsche Anleger?

Von Arne Gottschalck

Zu verkaufen: Auch in der Hauptstadt Madrid sind die Folgen der geplatzten Immobilienblase unübersehbar
SPIEGEL ONLINE

Zu verkaufen: Auch in der Hauptstadt Madrid sind die Folgen der geplatzten Immobilienblase unübersehbar

Erst Griechenland, dann Spanien - die Ratingagenturen senken den Daumen schier am laufenden Band. Einige Großinvestoren werden dadurch zum Verkauf gezwungen. Spanien vereinige Probleme Griechenlands und der USA, heißt es. Doch wie sehr trifft die Krise der Sonnenländer eigentlich die Dax-Aktionäre?

Se vende, zu verkaufen, steht auf vielen Schildern, darunter eine Telefonnummer. Der Ausverkauf am spanischen Immobilienmarkt geht weiter. Im beschaulichen Santiago de la Ribera im Süden des Landes wie in der Metropole Barcelona im Norden.

Und nun noch das harte Verdikt der Ratingagentur Fitch: Die Bonität des Landes wird um eine Stufe gesenkt. Droht das EU-Schwergewicht Spanien auch deutsche Aktionäre mit seiner Malaise zu infizieren? Fiebrig genug zuckt der Dax Chart zeigen ja bereits.

"Spanien hat mit einer Strukturkrise zu kämpfen", erklärt Walter Schepers von WestLB Mellon Asset Management. "Die konjunkturellen Perspektiven sind nicht günstig. Dass die Ratingagenturen nun etwas stärker differenzieren, konnte nicht wirklich überraschen, zumal die Spreads im Markt - bei 150 Basispunkten - ein pessimistischeres Bild zeichnen."

Das sehen auch andere Experten so. "In Spanien vereinigen sich die griechischen und amerikanischen Probleme", sagt zum Beispiel Christoph Bruns von der Fondsboutique Loys auf Nachfrage. "In den vergangenen 20 Jahren erfreute sich Spanien eines enormen Baubooms. Das Platzen der Immobilienblase geht nun einher mit der exzessiven Verschuldung Spaniens und wird dazu führen, dass ein mageres Jahrzehnt für die Iberer bevorsteht."

Die Transmissionsriemen zwischen Spanien und Deutschland

Und was bedeutet das für Deutschland, für deutsche Aktien? Automatisch vermutlich nichts. Doch in Krisenzeiten bedeutet das nichts. Vielmehr gibt es einige Transmissionsriemen, die von der spanischen in die deutsche Wirtschaft laufen und damit auch die deutsche Wirtschaft am Laufen halten - oder eben zum Stillstand bringen können.

Blicken wir auf Riemen Nummer eins, den deutschen Export. Läuft der rund, läuft es, zumindest grundsätzlich, auch für Deutschlands Unternehmen gut. Und nach Frankreich ist Spanien der zweitwichtigste Handelspartner innerhalb der Europäischen Union (EU). 2009 exportierte Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 31 Milliarden Euro nach Spanien. Das sind gut 27 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Auf die gesamte EU gerechnet lag das Volumen des deutschen Exports 2009 bei gut 503 Milliarden Euro.

Da ist aber auch Riemen zwei, die weltweit überbordende Staatsverschuldung. Sie wirkt von Spanien auf die EU und von dort auch auf Deutschland. Um die Verschuldung zu senken, will allein Spanien ein Sparpaket von 16 Milliarden Euro schultern. Nur für 2010 und 2011. So soll den Beamten zum Beispiel das Gehalt um 5 Prozent gekürzt werden. Das alles hat Folgen.

"Es besteht das Risiko, dass die hohen Anforderungen an die Haushaltskonsolidierung - nicht nur in Spanien und Griechenland - die Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung gefährden", sagt Schepers. "Die derzeit schon äußerst expansive Geldpolitik kann dem unseres Erachtens nicht entgegenwirken - allenfalls dadurch, dass sie noch sehr lange expansiv bleibt." Anders ausgedrückt: Wenn alle sparen, kommt auch keiner wirklich ungeschoren davon.

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