London, 1908. Höchste Dramatik beim Finale des olympischen Marathonlaufs. Völlig entkräftet erreicht der führende Italiener Dorando Pietri das White City Stadium. Pietri ist bereits so derangiert, dass er im weiten Rund zunächst in die falsche Richtung läuft. Mehrfach stürzt der Athlet, bevor er unter dem Jubel von 75.000 Zuschauern schließlich als erster die Ziellinie überquert.
Als Olympiasieger steht der Zuckerbäcker aus der Nähe von Modena dennoch nicht in den Annalen. Die Ehre wird nachträglich dem zweitplatzierten Amerikaner John Hayes zuteil.
Der Grund: Einige Ärzte und Offizielle hatten den erschöpften Dorando Pietri auf den letzten Metern tatkräftig unterstützt. Unter ihnen, festgehalten auf einer berühmt gewordenen Fotografie, auch Jack Andrew, der Organisator des Londoner Marathons höchstpersönlich.
Frankfurt am Main, November 2009. Das Auktionshaus Dr. H. Crott aus Mannheim hat ins Sheraton am Flughafen geladen. Es gilt, eine Reihe wertvoller Chronometer zu versteigern - Vintage-Armbanduhren, Emailuhren, Präzisionstaschenuhren. Darunter, mit Los-Nummer 514, eine "hochfeine, seltene Herrentaschenuhr mit Schleppzeigerchronograph und 30 Min.-Zähler - mit Originalschatulle", so der Katalog.
Die eigentliche Besonderheit dieses edlen Zeitmessers ist aber eine andere. Es handelt sich um jene Uhr, die dem Sportfunktionär Andrew als Ehrengabe anlässlich seines Einsatzes bei den Olympischen Spielen 1908 überreicht wurde.
Uhrensammler lieben solche historischen Bezüge. Und auch in diesem Fall verfehlt die Legende nicht ihre Wirkung: Los 514 war zuvor auf 1800 bis 5000 Euro geschätzt worden - der Hammer fällt schließlich bei 12.000 Euro.
"Das Beispiel steht stellvertretend für viele", sagt Dr.-Crott-Inhaber Stefan Muser. "Wer Geld mit möglichst geringem Risiko in Uhren anlegen will, sollte sich derzeit mit Taschenuhren beschäftigen." Vor allem technische Taschenuhren aus der Zeit zwischen 1870 und 1920 erfreuen sich wachsender Beliebtheit, so Muser.
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