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18.05.2010
 

Immobilienfonds

"Effekte der Marktkrise verschärft"

Von Arne Gottschalck

Die Bundesregierung schlägt vor, vom Verkehrswert der Liegenschaften in offenen Immobilienfonds pauschal zehn Prozent abzuziehen. Die akute Folge - wieder nehmen einige Anbieter keine Fondsanteile zurück. Ein Gespräch mit Analystin Sonja Knorr von der Scope Group.

mm: Frau Knorr, pauschal 10 Prozent vom Wert der Immobilien eines Fonds abziehen, längere Haltefristen - was halten Sie von dem Regierungsvorstoß?

Immobilienkrise: Sie frisst sich weiter durch den Markt und hat nun auch die offenen Immobilienfonds - allerdings von der unerwarteten regulatorischen Seite erreicht
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REUTERS

Immobilienkrise: Sie frisst sich weiter durch den Markt und hat nun auch die offenen Immobilienfonds - allerdings von der unerwarteten regulatorischen Seite erreicht

Knorr: Nach Auffassung von Scope Analysis wird der vorgelegte Diskussionsentwurf des Bundesfinanzministeriums (BMF) zur Regulierung von offenen Immobilienfonds in der noch deutlich verschärften Form den Produkten und deren Anlegern nicht mehr gerecht. Der BMF-Regulierungsvorschlag verschärft die Effekte der Marktkrise auf die offenen Immobilienfonds. Die aufgrund der Veröffentlichung des BMF bereits erfolgten Aussetzungen der Anteilscheinrücknahme zeigen die erhebliche Verunsicherung bei den Anlegern. Der durch den Entwurf ausgelöste Vertrauensschaden dürfte die Konsolidierung in dem Investmentsegment beschleunigen. Die Perspektiven der Fonds, die bereits vorher nur geringe Zuflüsse verzeichneten und deren Aussichten auf Wiedereröffnung ungewiss waren, haben sich nun noch weiter verschlechtert.

mm: Und das bedeutet?

Knorr: Werden die geplanten Maßnahmen in der vorliegenden Form Gesetz, würde sich der Charakter des vor fünfzig Jahren für Immobilieninvestments privater Anleger geschaffenen Produkts grundlegend ändern. Der Fokus von Anteilscheinrückgaben und -erwerben würde sich an die Kapitalmärkte verlagern. Es käme zu deutlich stärkeren Schwankungen in den Anteilwerten, als dies heute der Fall ist. Darüber hinaus würden Anspar- und Auszahlpläne bei offenen Immobilienfonds entfallen, da Anteilscheine nicht mehr kontinuierlich ausgegeben und zurückgenommen werden können. Dem normalen Privatanleger wäre die einzige Möglichkeit, auch mit kleinen Anlagebeträgen und relativ wertstabil in Immobilien zu investieren, genommen.

mm: Und, wird das Papier so Gesetzesrealität, was meinen Sie?

Knorr: Nein, das denken wir nicht, denn es handelt sich bisher um einen Diskussionsentwurf, der noch von den Branchenverbänden und Regierungsvertretern diskutiert wird. Wir gehen davon aus, dass der Diskussionsentwurf so nicht in einen Referentenentwurf münden wird.

mm: Wie wird die Gegenwehr der Branche aussehen?

Knorr: Die Gegenwehr der Branche ist naturgemäß sehr hoch. Es wurden bereits alternative Lösungsvorschläge gemacht, denn in der jetzigen Form bedeutet der Diskussionsentwurf das Aus für die offenen Immobilienfonds in ihrer bisherigen Form. Die Gegenwehr bezieht sich insbesondere auf den pauschalen 10-prozentigen Sicherheitsabschlag sowie auf die geplante Abweichung von der bisherigen börsentäglichen Anteilwertermittlung. Ein weiterer Knackpunkt, bei dem die Branche sich stark engagiert, ist die Rolle der offenen Immobilienfonds als Altersvorsorgeprodukt. Nach dem derzeitigen Entwurf kommt das Produkt nicht mehr für Spar- und Auszahlpläne infrage. Die Branche ist gefordert, Möglichkeiten zu finden, die Produkte im Rahmen einer Regulierung zukunftsfähig aufzustellen, ohne dass der Produktcharakter komplett verloren geht.

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