Hamburg - War es panischer Verkaufsdruck? War es ein Computerfehler? Oder war es schlicht ein großer Irrtum? Der größte Verlust, den der US-Standardindex Dow Jones
bislang an einem Tag verzeichnen musste, basiert vermutlich auf einem Mix aus all diesem. Der Index stand ohnehin schon unter Druck, als er
am Donnerstag um 14.42 Uhr New Yorker Zeit vollends den Boden verlor. Er fiel von 10.879 auf 9869, also um mehr als 1000 Zähler. Binnen Minuten erholte sich der Index jedoch wieder und schloss 3,3 Prozent schwächer bei rund 10.510 Punkten.
Jetzt rätselt die Welt darüber, wie es zu den Kurskapriolen kommen konnte. Unter den großen Werten traf es am heftigsten die Aktien von Procter & Gamble
Vor allem letzteres lässt die einfache Erklärung mit einer Nervosität der Anleger angesichts der Entwicklung in Griechenland ins Leere laufen. Tatsächlich belastete das Thema Schuldenkrise zwar die Börse. Und ausgerechnet in dem Moment, als sich der rätselhafte Kurssturz ereignete, liefen im US-Fernsehen Bilder wütender Proteste aus Athen. Auch an der Wall Street hatten viele Börsianer ihre Apparate eingeschaltet.
Dennoch kann das allein das Auf und Ab kaum verursacht haben. Denn dass bloße Verkaufspanik eine einzelne Aktie innerhalb von Minuten gänzlich wertlos macht, ist schwer vorstellbar. Vermutet werden angesichts des vorübergehenden Totalverlusts einzelner Papiere daher auch technische Gründe.
Ein Sprecher der New Yorker Börse schloss zwar einen Computerfehler als Grund für den Vorfall aus. Es habe weder eine Panne noch technische Probleme gegeben, sagte er.
Ohnehin wird aber der zunehmende Einsatz von Computern an den Finanzmärkten, im Fonds- und Vermögensmanagement also sowie im Aktienhandel, von vielen kritisch gesehen. Zwei Drittel des gesamten Handelsvolumens an den US-Börsen gehen nach Angaben des "Wall Street Journal" bereits auf Handelsfirmen zurück, die Computerprogramme für ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen einsetzen. An der Börse in Frankfurt sind es nach deren Angaben 40 Prozent.
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH