Wer glaubt noch an eine baldige Erholung des Euro? Spätestens seit Mittwoch, als sich das griechische Schuldendrama mit den tödlichen Brandsätzen in Athen in eine Tragödie verwandelte, haben sich auch die Aussichten für die europäische Währung noch einmal dramatisch verschlechtert. Im Verhältnis zum Dollar ist der Euro
inzwischen so günstig wie seit über einem Jahr nicht mehr. Und das Chaos, das die Wall Street am Donnerstag erlebte, als der Dow Jones
aus zunächst unklaren Gründen binnen Minuten um mehr als 1000 Punkte einbrach, zeigt, wie sich die Situation weiter zuspitzt.
Die Botschaft ist klar: Trotz der historischen Sparanstrengungen der griechischen Regierung und trotz des 110-Milliarden-Euro-Hilfsplans der EU und des IWF glaubt an den Märkten kaum noch einer an ein Happy End.
Im Gegenteil: Vieles spricht dafür, dass sich die Talfahrt des Euro fortsetzen wird. Denn den Politikern in Berlin, Brüssel und Athen steht ein schier übermächtiger Gegner gegenüber: ein Heer von Spekulanten in Banken, bei Hedge- und Pensionsfonds in aller Welt. Sie alle führen einen "Angriffskrieg gegen die Euro-Zone", wie Jochen Sanio, Chef der Finanzaufsicht Bafin, am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Bundestages formulierte.
Nick Beecroft, Währungsanalyst bei der Saxo Bank, vergleicht das Szenario gar mit den Krisen des Europäischen Währungssystems (EWS) der 1980er und 90er Jahre, als global agierende Finanzjongleure schon einmal die Oberhand über Europas Polik behielten.
"Wir werden Zeuge des Todeskampfs einer Währungsunion", schreibt Beecroft in einer aktuellen Analyse. "Wehrlos, weil sie nicht gleichzeitig eine politische und eine finanzwirtschaftliche Union ist."
Die Spekulanten, so der Analyst, schmecken wieder Blut. Denn sie wissen, dass die EU und der IWF nach der Rettung Griechenlands schlicht nicht die nötigen Mittel hätten, auch Portugal, Irland, Italien und Spanien zur Seite zu springen. Die größere Finanzpower der Banker und Hedgefondsmanager weltweit werde vielmehr den Konflikt entscheiden. Selbst die im Vergleich zu Griechenland etwas bessere Schuldensituation in Portugal, Spanien und Italien werde da letztlich irrelevant sein, so Beecroft.
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