Von Kai Lange
Was geschieht im Fall einer Staatspleite?
Ein Zahlungsausfall Griechenlands hätte zur Folge, dass die Kurse griechischer Staatsanleihen in den Keller rauschen. Investoren, die Anleihen gekauft und Griechenland damit Geld geliehen haben, verlieren viel Geld. Den Großteil griechischer Anleihen halten europäische Großbanken sowie Zentralbanken einzelner Staaten.
Wie hoch die Verluste der Investoren sein dürften, lässt sich nur abschätzen. Beispiele liefern frühere Staatspleiten wie in Russland und in Argentinien: Russland erklärte sich 1998 für zahlungsunfähig, und Argentinien konnte 2001 seine Schulden nicht mehr bedienen.
Russland und Argentinien als jüngere Beispiele
Beide Staaten boten ihre Anleihen zum Umtausch an - mit einem gehörigen Abschlag. Bei argentinischen Papieren betrug der Abschlag der Anleihen nach Berechnungen von Moody's 30 Tage nach dem Zahlungsverzug durchschnittlich 73 Prozent des Nennwertes, bei russischen Papieren waren es sogar 82 Prozent Abschlag. Über alle von Moody's untersuchten 13 Länder hinweg mussten Investoren einen durchschnittlichen Abschlag von 50 Prozent hinnehmen - die Hälfte des Geldes war weg.
Gläubiger argumentieren, dass ein Zahlungsausfall Griechenlands dem noch labilen Finanzsektor einen schweren Stoß versetzen und wie eine zweite Lehman-Pleite wirken würde - aus diesem Grund müsse eine Pleite unter allen Mitteln verhindert werden.
"Staatspleiten kommen ähnlich wie Vulkanausbrüche zu einem unerwarteten Zeitpunkt, die Kosten für die Anleger sind hoch", schreiben die Analysten der Commerzbank in einer Studie. "Auch das Einschreiten des IWF kann nicht garantieren, dass ein Land seine Staatsfinanzen erfolgreich saniert".
Griechenland hat also noch viel Arbeit vor sich, Risiken für Investoren bleiben bestehen - auch dann, wenn die Hilfe von IWF und Euro-Ländern in Kürze fließt.
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