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16.04.2010
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Dax-Geflüster

Wenn der Nachbar leichtes Geld verdient ...

Von Kai Lange

4. Teil: "Lieber den Sportteil lesen als den Wirtschaftsteil"

Sich von der Vergangenheit frei zu machen, ist nach Einschätzung von Martin Weber eine entscheidende Voraussetzung für den Börsenerfolg. Der Ökonom, der an der Universität Mannheim unter anderem Behavioral Finance lehrt, empfiehlt Anlegern vor allem Gelassenheit: Gestresste, genervte oder von Gier getriebene Aktionäre schichten häufig um, versuchen den Markt zu schlagen. Beides wird an der Börse in der Regel teuer.

Martin Weber: "Nur Frau Schlotterbeck aus dem Räuber Hotzenplotz hat eine Kristallkugel, mit der sie in die Zukunft schauen kann. Alle anderen sollten gelassen bleiben und mit dem breiten Markt mitschwimmen."
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Martin Weber: "Nur Frau Schlotterbeck aus dem Räuber Hotzenplotz hat eine Kristallkugel, mit der sie in die Zukunft schauen kann. Alle anderen sollten gelassen bleiben und mit dem breiten Markt mitschwimmen."

"Wer auf die Vergangenheit blickt, bekommt je nach Blickwinkel unterschiedliche, zufällige Ergebnisse", sagt Weber. Dass Fondsanbieter und Investmenthäuser derzeit verstärkt auf die Ein-Jahres- und Sieben-Jahres-Performance ihrer Produkte hinweisen, verwundert nicht: Gemessen am Frühjahr 2003 und Frühjahr 2009 hat der Dax jeweils mächtig zugelegt.

Nimmt man das Frühjahr 2000 oder den Frühling 2007 als Vergleichspunkte, sehen Drei- und Zehn-Jahres-Chart dagegen trübe aus. In diesen Zeiträumen haben Dax-Anleger viel Geld verloren.

Psychofalle Selbstüberschätzung: Ebenso aussichtslos wie der Versuch, stets den "richtigen" Zeitpunkt zu erwischen, sei die Suche nach der "richtigen" Aktie. Zwar lebt die Börse von spektakulären Erfolgsgeschichten. Doch wer die Topaktie suche, tappe ebenfalls in die Vergangenheitsfalle: "Wir sehen in der Rückschau nur wenige Gewinner, aber nicht die zahllosen Verlierer, die heute pleite sind", sagt Weber.

Alle Informationen sind relevant - aber niemand weiß, wie

Die Verhaltensregeln, die daraus folgen: Nicht zurückblicken. Geld möglichst breit streuen, am besten über marktbreite Indizes und verschiedene Anlageklassen. Gelassen bleiben.

"Anleger sollten lieber den Sportteil lesen als den Wirtschaftsteil", spitzt es Weber zu. "Alle Informationen über Konjunktur, Unternehmen und Kurse sind relevant, dienen aber letztlich als Infotainment. Sie beeinflussen die Kurse von morgen, aber niemand weiß, in welcher Weise."

Dies sei keine Kapitulation vor dem Markt, sondern Einsicht in seine Gesetze. "Börsen sind nicht rational. Wenn man den Markt nicht schlagen kann, kann man ganz entspannt mitschwimmen", betont Weber. Passive Indexfonds mit vergleichsweise geringen Gebühren seien dazu geeignet. In dem Fonds "Arero", in dem Weber seine Anlagegrundsätze umsetzt, sind Aktien über weltweite Indizes, Anleihen und Rohstoffe vertreten. Weber liebt langweilige Investments: Er weiß, dass Nervenkitzel und Aktivismus an der Börse die Taschen leeren.

Die obligatorische Frage, ob Anleger trotz zuletzt entgangener Gewinne, befürchteter Verluste und trotz des ewigen Auf und Abs der Gefühle noch in den Aktienmarkt einsteigen sollten, beantwortet Weber dann auch mit der gebotenen Gelassenheit: "Kaufst du heut' nicht, kaufst du morgen."

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