Frankfurt am Main - Trotz zahlreicher Versuche der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und der Regierung in Athen die Lage zu entschärfen, liegt der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen am Freitag nur knapp unter dem Rekordhoch vom Vortag. Im Vormittagshandel lag die Rendite von zehnjährigen griechischen Staatsanleihen mit 7,356 Prozent um 4,25 Prozentpunkte höher als bei Bundesanleihen mit der gleichen Laufzeit.
Am Donnerstag erreichte dieser so genannte Risikoaufschlag (Spread) mit über 4,50 Punkten zeitweise den höchsten Stand seit Einführung des Euro.
Die Risikoaufschläge von griechischen Staatsanleihen klettern "gen Himmel", kommentierten Anleihen-Experten der HSH Nordbank die angespannte Lage am Rentenmarkt. Zuvor machten Gerüchte über mögliche Änderungen am Rettungsplan der Europäische Union für das Mitgliedsland der Euro-Zone die Runde.
Die Sorge der Investoren vor einer Eskalation der Lage in Griechenland hatte zuletzt aber auch an den Devisenmärkten tiefe Spuren hinterlassen. Der Kurs des Euro
konnte sich erst seit dem Vortag wieder etwas von der rasanten Talfahrt erholen und hielt sich zuletzt knapp unter der Marke von 1,34 US-Dollar. An den Finanzmärkten, die am Vortag in die Knie gegangen waren, konnten sich europäische Bankentitel zuletzt von ihren Vortagesverlusten
leicht erholen.
Stimmung bleibt nervös - trotz Rückendeckung durch EZB
Auch die Experten der Commerzbank
beschrieben die Lage an den Finanzmärkten als sehr nervös: "Offenbar reichen schon einige negative Schlagzeilen, um die Renditeaufschläge bei den Staatsanleihen weiter auseinander zu treiben." Dabei gibt es mittlerweile für die Regierung in Athen nahezu
täglich Rückendeckung von der EZB.
"Nach meinen vorliegenden Informationen ist ein Ausfall griechischer Staatskredite kein Thema", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gestern. Diese Einschätzung bekräftigte Trichet am Morgen noch einmal in einem Interview mit einer italienischen Zeitung.
Auch nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen dominiert die griechische Misere das Geschehen an den Finanzmärkten. Die Unsicherheit bewege aber nicht nur die Kurse an den Finanzmärkten. Die anhaltende Verunsicherung über die griechischen Staatsfinanzen dürfte nach Einschätzung der Helaba-Experten auch Einfluss auf die Geldpolitik der EZB haben.
Demnach habe sich der Spielraum für steigende Leitzinsen im Zuge der alarmierenden Nachrichten aus Griechenland eingeengt.
manager-magazin.de mit Material von dpa-afx
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH