Von Gerhard Hofweber
Was wir heute erleben, die Welt, in der wir uns bewegen, ist eine Zuspitzung des aristotelischen Szenarios. Denn wir haben die Idee der Maximierung auf alle Lebensbereiche übertragen. Sie erstreckt sich auf den Hype des extremen Erlebnisses, das zum Beispiel im Extremsport erlebt werden kann. Die Idee der Maximierung bestimmt unser Arbeitsverhalten, unser ständiges Abwägen der Mittel im Verhältnis zum Vertrag, unsere Sexualität und alles andere.
Legitimiert wird die Maximierung durch eine gewisse Sachzwangargumentation: Der Wettbewerb wird globaler und somit härter. Wer also nicht zu den Verlierern von morgen gehören möchte, muss sich dem fügen. Und wir fügen uns.
Aber dabei können wir eine erstaunliche Beobachtung machen. Trotz alles Bemühens, trotz des sich Beugens unter das Diktum des Sachzwangs und obwohl wir uns alle Mühe geben, die Erwartungen zu erfüllen, werden wir nicht glücklich. Wir verlangen uns alles ab und sind auch bereit, alles zu geben, aber wir werden dabei nicht glücklich. Wir glauben, dass wir erst die maximalen Ansprüche erfüllen müssen, um uns das Recht auf Glück und das Recht, uns selbst zu bejahen zu verdienen. Aber diese Rechnung geht nicht auf und sie ist auch falsch.
Wahr ist, dass wir unter der Perspektive der Maximierung, des Verrechnens von allen auf seinen Nutzen nicht glücklich werden können. Wahr ist, dass wir unsere Selbstbejahung nicht durch Leistung erwerben müssen. Wahr ist, dass das Glück und das gute Leben immer unser oberstes Ziel bleiben wird. Wahr ist, dass mein eigenes Glück von dem meiner Nächsten nicht zu trennen ist.
Breite Teile der Gesellschaft beginnen dies zu ahnen. Es gibt Vorboten eines Wandels im Denken und Empfinden. Die Nachdenklichkeit nimmt zu. Fragen werden lauter: Wohin soll das Ganze noch führen? Wie weit können wir die Schraube noch drehen? Wollen wir dies überhaupt? Wo finde ich mein Glück?
Geld befreit uns von äußerlichen Zwängen und das ist angenehm und wichtig. Aber die Freiheit von etwas reicht nicht aus. Wir müssen uns auch eine Antwort auf die Frage geben können, wofür wir frei sind. Für sich selbst frei zu werden und sich damit selbst zu bejahen führt uns zum Glück. Wir haben begonnen, uns wieder daran zu erinnern. Wir haben begonnen, die Vernunft wieder zu finden.
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