Chicago/Washington - Im Betrugsskandal bei der zusammengebrochene US-Investmentbank Lehman Brothers verdichten sich die Hinweise auf gezielte Bilanzmanipulation. So habe ein ranghoher Lehman-Manager bereits Monate vor der Pleite in einem internen Brief die Unternehmensführung gewarnt, dass Anleger über den wahren Wert offensichtlich toter Unternehmensteile getäuscht würden, berichtete das "Wall Street Journal" am Wochenende.
Der damalige Vize-Präsident Matthew Lee habe seine Bedenken im Mai 2008 unter anderem an die Finanzchefin Erin Callan sowie den für Risikobewertung zuständigen Geschäftsführer Chris O'Meara schriftlich geäußert. Die Ausweisung bestimmter Summen in der Bilanz habe vermutlich gegen den internen Verhaltenskodex verstoßen, schrieb Lee demnach in seinem Brief. Einige Tage später sei er gefeuert worden. In seinem Abfindungsvertrag sei Lee untersagt worden, seine internen Kenntnisse für eine Klage gegen den Konzern zu verwenden, schreibt das "Wall Street Journal" weiter.
Lehman Brothers kollabierte im September 2008 unter einem Schuldenberg von mehr als 600 Milliarden Dollar. Die Pleite gilt als einer der Auslöser für die schwerste Rezession in der Nachkriegszeit. In der vergangenen Woche war in dem Bericht eines gerichtlich bestellten Prüfers bekanntgeworden, dass die Investmentbank bereits Wochen vor ihrem Kollaps zahlungsunfähig war. Mit Buchungstricks sei der Eindruck erweckt worden, dass Lehman Brothers seinen Verschuldungsgrad im Jahr 2008 verringerte. Tatsächlich sei das Gegenteil der Fall gewesen.
Der einflussreiche US-Senator Christopher Dodd forderte inzwischen das Justizministerium zu Ermittlungen im Fall Lehman Brothers auf. Er sei sehr beunruhigt über die unlängst bekanntgewordene Bilanzmanipulation, sagte der Vorsitzende des Bankenausschusses.
Eine Strafverfolgung von Angestellten, die gegen Gesetze verstoßen haben, müsse in Erwägung gezogen werden. Auch andere Finanzinstitute müssten bei Verdacht auf ähnliche Vorgängen untersucht werden.
manager magazin.de mit Material von reuters
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