Von Lutz Reiche und Nils-Viktor Sorge
Hamburg - Die Euro-Länder sind sich im Grundsatz einig. Man will dem überschuldeten Mitgliedsstaat Griechenland notfalls unter die Arme greifen - das Wie bleibt aber weiter unklar. Die knappe Botschaft an die Kapitalmärkte und Griechenlands Gläubiger lautet: "Griechenland wird unterstützt, wenn es Hilfe braucht", versicherte der Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am späten Montagabend.
Über die Ausgestaltung des Notpakets sollen die europäischen Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen in zehn Tagen entscheiden - wenn sie denn entscheiden. Das müsse ja nicht zwingend sein, schob Juncker hinterher. Es scheint fast so, als hätte Europa alle Zeit der Welt, um die drohende griechische Tragödie eines Staatsbankrotts abzuwenden. Dem ist nicht so.
Die Helenen sind mit rund 300 Milliarden Euro bis zur Halskrause verschuldet. Bis spätestens Mai brauchen sie zwischen 20 und 25 Milliarden Euro, um ihre Schulden gegenfinanzieren zu können. Ob und zu welchen Bedingungen Investoren hier erneut mitziehen und neue Anleihen zeichnen werden, ist unsicher. Zuletzt verkauften sich griechische Staatsanleihen ob ihres hohen Zinses zwar wie geschnitten Brot. Hohe Zinslasten erhöhen aber das Schuldenproblem. Notfalls müssen eben die Mitgliedsstaaten mit den jetzt in Aussicht gestellten bilateral verhandelten Krediten in die Bresche springen.
Bis dahin aber geht der Schuldenpoker weiter, üben sich die Minister der Euro-Gruppe in Zweckoptimismus und versuchen, möglichst viel Ruhe auszustrahlen. Man setze auf die griechischen Sparbemühungen und erwarte, dass Griechenland die Hilfe seiner Partnerländer nicht in Anspruch nehmen müsse, heißt es. Die Intention ist klar: Brüssel will und darf anderen Wackelkandidaten der Euro-Region aber auch Spekulanten am Kapitalmarkt nicht signalisieren, dass die Union ihre schwächsten Mitglieder ohnehin vor der Pleite retten werde.
Interessen- und Wirtschaftsverbände in Deutschland begegnen den sich abzeichnenden Hilfspaketen für die Griechen ohnehin mit großer Skepsis, mitunter lehnen sie finanzielle Hilfen für Griechenland sogar entschieden ab, wie sie gegenüber manager magazin erklären.
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