Von Karsten Stumm
mm: Herr Paulson, wie laufen Ihre Geschäfte mit den russischen Milliardären?
Paulson: Sie wurden verdrängt.
mm: Infolge der Wirtschaftskrise, die Russlands Geldadel schon erhebliche Verluste in den Reichstenlisten der Welt eingebrockt hat?
Paulson: Ja, offenbar. Denn als Stütze des Geschäfts mit raren Weinen sind sie derzeit ein Totalausfall.
mm: Wir müssen uns aber keine Sorgen um die Reichen und Schönen machen, oder? Und um Sie?
Paulson: Nein, bitte keine Umstände. Man kommt zurecht. Aber die Gewichte haben sich verschoben: von Europa nach Hongkong.
mm: Schon wieder preschen die Chinesen vor?
Pauson: Vorpreschen war gestern. Heute dominieren sie den Markt. Selbst den für exquisite Weine.
mm: Oha. Was trinkt man denn heute in Hongkong, wenn man dazugehören will?
Paulson: Eigentlich trinkt man dort gar nicht. Wie der Wein schmeckt, ist deshalb egal. Man verschenkt ihn nur. Viele wohlhabende Chinesen überreichen ihren Geschäftskunden gern edlen Wein als Präsent.
mm: Und wie viel Geld legen Chinas Damen und Herren für diese Art von Geschäftspflege auf den Tisch?
Paulson (lehnt sich zurück) : Das ist natürlich sehr individuell.
mm: Nur zu, nennen Sie ruhig prominente Namen.
Paulson (beugt sich wieder vor) : Sie meinen sicher Wein-Namen, oder?
mm: Nein, eigentlich Kundennamen.
Paulson: Unser Geschäft ist natürlich auch diskret. Aber was ich sagen kann, ist, dass eine Flasche Château Lafite-Rothschild, Jahrgang 1982, sehr gerne genommen wird.
mm: Und was kostet so ein Fläschchen?
Paulson: Derzeit so etwa 2500 Euro.
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