11.03.2010
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Kreditderivate

EU bekommt Spekulanten nicht zu fassen

Von Arvid Kaiser

4. Teil: "Die Spekulation würde sich ein anderes Ventil suchen"

Doch ist das von der EU angestrebte Verbot "nackter" CDS überhaupt möglich? Lässt sich unterscheiden, wer ein berechtigtes Absicherungsinteresse verfolgt und wer rein spekulativ handelt?

Überversicherte Gläubiger: Die Kreditgeber ließen den Chemiekonzern LyondellBasell in die Schuldenfalle laufen
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DDP

Überversicherte Gläubiger: Die Kreditgeber ließen den Chemiekonzern LyondellBasell in die Schuldenfalle laufen

"Es ist kaum nachzuweisen", sagt LBBW-Mann Korb, "schon gar nicht, wenn es um Index-Kreditderivate geht." Die am häufigsten gehandelten CDS beziehen sich gar nicht auf einzelne Papiere wie beispielsweise griechische Staatsanleihen, sondern auf Indizes aus mehreren Staaten, Unternehmen oder anderen Kreditportfolios. Produkte wie CDX in Amerika oder iTraxx in Europa gelten als Marktsensoren wie etwa der Dax Chart zeigen für den Aktienmarkt. "Sicher spekulieren auch einige damit", sagt Korb, "aber oftmals sichern sich auch Portfoliomanager und Banken damit gegen Marktschwankungen ab."

Deutsche-Bank-Analyst Weistroffer weist auf ein weiteres Problem hin, das mit dem Verbot von "Nackt"-CDS nicht gelöst würde: Selbst echte Gläubiger können sich mit CDS so weit eindecken, dass sie das ökonomische Interesse an der Zahlungsfähigkeit des Schuldners verlieren. Das komme selten vor, im Fall des US-Freizeitparkbetreibers Six Flags und des niederländischen Chemiekonzerns LyondellBasell hätten die Gläubiger aber die Insolvenz einer Umschuldung vorgezogen. Das sei nur wegen mangelnder Transparenz möglich gewesen. Auch die Schulden des US-Autokonzerns General Motors waren vor der Insolvenz überversichert - die CDS überstiegen die Summe der Anleihen.

Dagegen helfe aber die bereits fortgeschrittene Selbstregulierung der Branche, der Eingriff der Staaten dagegen sei nicht zielführend. Weistroffer warnt, "die vorgeschlagenen Regeln würden die Endnutzer erheblich belasten". Denn die seien auf komplexe, maßgeschneiderte Produkte angewiesen, die nicht standardisiert und an der Börse gehandelt werden könnten. Allerdings zählt die Deutsche Bank zu den fünf großen Dealern, die den CDS-Markt beherrschen und daran Gebühren verdienen, eben weil der Handel "over the counter", über den Ladentisch also läuft.

Das stärkste Argument der Branche gegen staatliche Verbote lautet wohl: Sie nützen nichts. "Es gibt Ausweichmöglichkeiten", sagt LBBW-Analyst Jochen Korb. "Selbst bei einem globalen Verbot ungedeckter CDS-Käufe würde sich die Spekulation ein anderes Ventil suchen." Dann würden eben die Schwankungen der Anleihenkurse steigen, der klassische Devisenhandel sei ebenfalls "ein geeignetes Substitut" - auch wenn dort größere Summen benötigt werden, um die Kurse zu bewegen.

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