Von Arvid Kaiser
Hamburg - Zu Hause rebellieren die Bürger gegen sein Sparprogramm und treten am heutigen Donnerstag erneut in den Generalstreik, doch in Brüssel und Washington kann Giorgos Papandreou Erfolge feiern. US-Präsident Barack Obama unterstütze die von ihm angestoßene europäische Initiative, berichtete der griechische Premierminister am Mittwoch. Kein Wunder: Laut Papandreou geht es um den Kampf gegen "die Geißel der Menschheit", Kreditderivate namens Credit Default Swaps.
Mit den Papieren sichern sich Banken, Hedgefonds und Versicherungen untereinander für den Fall ab, dass ein Kreditnehmer seine Anleihe nicht mehr bedient. Und sie wetten mit den CDS, ob eine solche Pleite eintritt oder nicht. Doch steigen die CDS-Prämien, verlangen auch die Käufer der Anleihen höhere Zinsen und verteuern so den Schuldendienst. Papandreou sieht darin einen wesentlichen Faktor dafür, dass sein Land überhaupt an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geriet - und der Euro-Kurs abrutschte. Die Spekulation sei ein Angriff auf den ganzen Kontinent.
Mit dieser Sicht ist er nicht allein. "Wir müssen es schaffen, den Spekulanten das Handwerk zu legen", . Und der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker drohte als Chef der Euro-Gruppe schon einmal mit nicht näher bestimmten "Folterwerkzeugen".
Hedgefondsexperte Bernd Berg fühlt sich an die Asien-Krise 1997/98 erinnert, als die Währungen der Tigerstaaten kollabierten und Kapital plötzlich ins Ausland floh. "Damals warf der malaysische Premier Mahathir Mohamed Hedgefonds eine Verschwörung vor, während Amerika und Europa die Ursache in fundamentalen Ungleichgewichten sahen", sagt der Autor des Buchs "Finanzkrisen und Hedgefonds" zu manager magazin. Die Spekulation sei nützlich, weil sie echte Probleme aufzeige. Nun, da Europa selbst betroffen sei, drehe die Position im Westen: "Es ist interessant zu sehen, dass jetzt dieselbe Diskussion in Europa geführt wird."
Mindestens Griechenland und Spanien haben ihre Geheimdienste losgeschickt, um spekulative Angriffe auf ihre Staatsfinanzen aufzudecken. Die US-Justiz ermittelt laut "Wall Street Journal" gegen mehrere Hedgefonds wegen geheimer Absprachen. Hintergrund sei ein "Ideendinner" in einem New Yorker Privathaus Anfang Februar, auf dem sich Vertreter von Branchengrößen wie Greenlight, Paulson & Co., SAC oder Soros dem Finanzblatt zufolge auf Spekulationen gegen den Euro einschworen.
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