Islands Staatsverschuldungsquote ist binnen eines Jahres von 29 Prozent auf weit über 100 Prozent angeschwollen. Die Tendenz ist weiter steigend, auch weil das Land Milliardenhilfen des Internationalen Währungsfonds und anderer Staaten zurückzahlen muss. "Nicht kompatibel", heißt es vor allem mit Blick auf die zweistelligen Inflationsraten daher bei der Deka-Bank zu Island.
Zwar ist Island - nach Einwohnern etwa so groß wie Luxemburg - eigentlich kaum in der Lage, die Währungsunion in ernste Schwierigkeiten zu bringen. Doch allein das Signal, einem Staat mit derart gigantischen Problemen den Weg in den Euro-Club zu gewähren, käme gegenwärtig schlecht an Märkten an.
"In dieser Phase der Nervosität ist es sicher nicht das richtige Signal, weitere Länder in die Euro-Zone aufzunehmen, die nicht über sämtliche Zweifel erhaben sind", sagt Langhammer. "Die Märkte würden es nicht verstehen." Die Euro-Länder würden sich auf diese Weise die Refinanzierung weiter erschweren und den Euro-Kurs weiter aufweichen.
In Island selbst ist die öffentliche Meinung zum EU-Beitritt allerdings sehr gespalten. Die Bürger fürchten, beim Fischfang, dem bis zum Bankenhype traditionell wichtigsten Wirtschaftszweig, Zugeständnisse bei Fangquoten und -gebieten machen zu müssen.
Außerdem würde das Land zunächst eine wirtschaftliche Rosskur erwarten, damit es die Maastricht-Kriterien der EU einhält, die zum Beitritt in die Euro-Zone berechtigen. Von drastischen Reallohnabsenkungen sprechen Fachleute, die zuletzt auf 12 Prozent emporgeschnellte Inflation müsste eingedämmt werden. Das alles wäre Gift für die am Boden liegende Volkswirtschaft, die 2009 um 10 Prozent schrumpfte und in der die Arbeitslosigkeit binnen eines Jahres von 1,7 auf 8,6 Prozent stieg.
Alles andere als ein extrem langsames Heranarbeiten an EU und vor allem Währungsunion wäre sowohl für Island als auch die Europäer vermutlich kontraproduktiv. Je besser es dem Inselstaat eines Tages aber wieder geht, desto schwerer dürfte es werden, seine Bewohner überhaupt davon zu überzeugen, dass sie in einer Staatengemeinschaft schwere Wirtschaftskrisen besser überstehen können.
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