Hamburg - Wer ist schuld an dem Desaster, das Island immer noch fest im Griff hält? Für die Bewohner der Insel im Nordatlantik ist der Fall ziemlich klar: Sie selbst sind es nicht, zumindest die meisten von ihnen. Keinesfalls wollen sie die Schulden ihrer Pleitebank Icesave gemeinschaftlich abtragen - so haben sie es im Referendum am Samstag entschieden.
Während die Isländer weiter darüber streiten, wer das Bankendesaster verantwortet und letztlich die Zeche zahlen muss, bleibt die finanzielle Lage des 300.000-Einwohner-Landes höchst prekär. Und das hat Folgen - strebt Island doch in die Europäische Union, und in die Euro-Zone gleich dazu.
"Es gibt viele Vorteile als EU-Mitglied" hatte Wirtschaftsminister Gylfi Magnusson gesagt, als die Europäische Union vor knapp zwei Wochen Beitrittsverhandlungen mit Island empfohlen hatte. "Aber der Euro ist mit Abstand der wichtigste." Island sei zu klein für eine eigene Währung.
Diese Töne sorgen in Europa nicht nur für Begeisterung, auch wenn die EU in der Vergangenheit stets um die Nordländer als Mitglieder gebuhlt hat.. "Island passt im Moment nicht in die Euro-Zone", sagt der Vizechef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Rolf Langhammer, gegenüber manager magazin. "Das Land muss den Bankenschock erst einmal bewältigen." Angesichts der Probleme der Währungsunion mit Griechenland blicken Experten immer skeptischer auf das isländische Ansinnen, der Euro-Zone beizutreten.
Der Haushalt des Inselstaates steht gegenwärtig vor dem Kollaps, das Defizit lässt im Vergleich sogar Griechenland besser dastehen. Nach einem positiven Saldo von 3,9 Prozent 2007 brachen die Steuereinnahmen ein. Minus 13 Prozent 2008, minus 17 Prozent sollen es 2009 gewesen sein, minus 14 Prozent sollen es 2010 werden. Griechenland kam 2009 auf gut 12 Prozent.
Im Referendum ging es um die in Zeiten des Finanzkrisensturms moderat anmutende Summe von 3,8 Milliarden Euro. Das Geld hatten die Regierungen Großbritanniens und der Niederlande geprellten Sparern vorgestreckt. Doch der Betrag entspricht immerhin zwei Drittel des Staatshaushalts oder knapp 12.000 Euro pro Bürger.
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