Von Arvid Kaiser
Ebenso gut für die Konjunktur, aber Gift für den Wert des Geldes ist die Aufblähung der Geldmenge. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Bank von England schon 200 Milliarden Pfund auf den Markt geworfen, weil sie mit ihrem auf 0,5 Prozent gesenkten Leitzins nicht mehr weiterkam, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Der Großteil des frischen Geldes ging direkt in den Aufkauf neuer Staatsschulden, die so schnell wuchsen wie in keinem anderen großen Industrieland.
"Dort wird in den nächsten Monaten das gleiche Drama passieren wie in Griechenland", sagte Klaus Kaldemorgen, Chef der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, in seinem jüngsten Marktausblick. Die britische Staatsverschuldung sei mindestens so dramatisch wie die griechische.
Finanzplatz London
Die Banker werden aus der City vertrieben. Wovon die Briten künftig leben sollen, lesen Sie im neuen manager magazin ab Seite 82.
Die Gesamtverschuldung des Staates ist mit 60 Prozent noch relativ gering, doch die Regierung saugt mehr und mehr der überbordenden privaten Verbindlichkeiten auf, die wie ein Felsblock den Aufschwung blockieren. Auch der hohe Anteil langer Fristen an den Staatsschulden hilft wenig - laut einer neuen Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sind gerade die langfristigen Aussichten für eine Stabilisierung der britischen Staatsfinanzen so schlecht wie sonst nur für Japan. Für die Zeit bis 2050 sehe Griechenland viel solider aus.
Egal, wer die nächste Regierung stellt - um niedrigere Ausgaben oder höhere Steuern komme sie nicht herum, meint Devisenanalyst Beecroft. Für das Pfund heiße das nichts Gutes: "Harte Fiskalpolitik, weiche Geldpolitik, das ist die traditionelle Totenglocke für jede Währung."
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