EU-Kommissar Rehn sagte am Montag in Athen, die Märkte "sollten überzeugt sein, dass Griechenland seine Ziele der Defizitreduzierung erreichen kann, wenn die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds seinen Plan unterstützen". Käme das Vertrauen der Anleger zurück, könnte Griechenland seine Zinskosten - derzeit doppelt so hoch wie die deutschen - senken und Freiraum bekommen, um sich auf Strukturreformen zu konzentrieren.
Die Forderung der EU nach weiteren Sparanstrengungen kommt zu einer Zeit, da mehrere Medien berichten, europäische Regierungen bereiteten bis zum Ende der Woche eine Rettungsaktion für Griechenland vor. Griechische Regierungsvertreter verweigerten eine Bestätigung der Berichte. Bundesaußenminister Guido Westerwelle wies die Möglichkeit kurzfristiger Hilfszahlungen zurück und sagte, Griechenland müsse zuerst sein Sparprogramm vollenden. "Wir erwarten, dass, bevor es Diskussionen über Hilfen gibt, Griechenland in vollem Umfang die eigenen Hausaufgaben für die Konsolidierungspolitik abarbeitet", sagte Westerwelle am Dienstag in Berlin. Das werde auch bei dem für Freitag angesetzten Besuch Papandreous in Berlin angesprochen.
Die griechische Entscheidung, Marktreaktionen auf die neuen Sparbeschlüsse abzuwarten, spiegelt zunehmende Erbitterung von Regierungsvertretern über Finanzspekulanten und ihre Rolle in der Schuldenkrise wider. Frankreichs Europaminister Pierre Lellouche keilte am Dienstag gegen spekulative Händler aus, die "jedes Wort, jedes Komma" von Regierungsvertretern auswerteten, um mit Währungen zu wetten. Er betonte, die Euro-Zone sei "groß und mächtig genug", um ihr "monetäres Schicksal" zu beherrschen.
Lellouche schränkte sich in seinen Ausführungen zu EU-Plänen für eine gemeinsame Wirtschaftspolitik ein, weil solche Äußerungen benutzt würden, "um eine Menge Geld zu machen, indem man mit den Schulden dieses oder jenes Landes wettet". "Als Bürger bin ich äußerst schockiert von diesen Dingen", fügte Lellouche an. "Das ist nicht das marktwirtschaftliche System, an das ich glaube. Das ist ein Kasino."
Hedgefonds und andere Finanzakteure haben Wetten abgeschlossen, ob Griechenland mit seinen übergroßen Schulden fertig wird - angesichts dieser Spekulationen ist auch der Wechselkurs des Euro unter Druck geraten.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) berichtete am Dienstag, sie habe mögliche Marktspekulationen gegen Griechenland beobachtet. BaFin-Sprecherin Sabine Reimer erklärte, der Handel mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) für griechische Staatsanleihen sei überwacht worden, nannte jedoch nicht den Zeitraum der Untersuchung.
CDS könnten von Anlegern genutzt werden, die auf eine steigende Risikoprämie der griechischen Anleihen und der deutschen Bundesanleihe wetten. Steigende Spreads würden weitere Schuldenaufnahme für das hoch verschuldete Griechenland noch teurer machen. Reimer sagte, "die Märkte sind sehr intransparent". Keine klaren Hinweise auf manipulativen Handel seien zu beschaffen - ebenso wenig wie Hinweise, dass es diese Manipulation nicht gebe.
Von Elena Becatoros, ap
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