Athen - Griechenland wird die Marktreaktionen auf von der Europäischen Union verlangte härtere Sparmaßnahmen abwarten, bevor über den Zeitpunkt neuer Anleiheemissionen entschieden wird, sagte ein Regierungssprecher am Dienstag. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn sagte am Montag, das Land müsse in den kommenden Tagen noch empfindlichere und dauerhafte Kürzungen beschließen, um der Schuldenkrise zu entkommen, die auch den Euro
bedroht. Die Maßnahmen sollen auf einer Kabinettssitzung am Mittwochnachmittag diskutiert und beschlossen werden.
Die Regierung werde danach abwarten, wie der Markt reagiert, bevor neue Anleihen auf den Markt gebracht werden, sagte Regierungssprecher Giorgos Petalotis der Nachrichtenagentur AP. "Wir warten ein bisschen, um die Maßnahmen zu verkünden und die Reaktion der Märkte zu bewerten", sagte Petalotis. Noch sei keine Entscheidung gefallen, wann die Anleihen emittiert werden, wie viele neue Schulden Griechenland damit aufnehmen will und ob es auf Anleihen mit fünf- oder mit zehnjähriger Laufzeit setzt.
Ende Januar brachte die erste Anleiheemission des Jahres acht Milliarden Euro. Sie war trotz der Schuldenkrise mehrfach überzeichnet. Ursprünglich hatte die Regierung nur drei bis fünf Milliarden Euro einnehmen wollen, erhielt jedoch Gebote über 25 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr plant Griechenland die Aufnahme von 54 Milliarden Euro Staatsschulden, wovon bereits 13 Milliarden eingenommen wurden. Alte Anleihen im Wert von rund 20 Milliarden Euro werden im April und Mai fällig.
Die Regierung des sozialistischen Premierminister Giorgos Papandreou hat bereits eine Reihe von Sparmaßnahmen angekündigt, um die Schuldenkrise zu lösen, darunter höhere Treibstoffsteuern, Lohnstopps und Bonuskürzungen für den öffentlichen Dienst, und eine Anhebung des durchschnittlichen Renteneintrittsalters. Neue Beschlüsse könnten weitere Steuererhöhungen und Kürzungen etwa im 14. Monatsgehalt der Beamten, das traditionell als Urlaubsbonus ausgezahlt wird, enthalten.
Gewerkschaften, die bereits mehrere Streiks ausriefen, teilten mit, eine Kürzung des 14. Gehalts werde als "Kriegserklärung" aufgefasst. Der Dachverband der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst, ADEDY, kündigte für den 16. März einen weiteren 24-stündigen Streik an und fügte an, weitere Ausstände gemeinsam mit der Gewerkschaft des privaten Sektors seien möglich. Die Taxifahrer befanden sich am Dienstag bereits in einem 48-stündigen Streik.
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