Von Kai Lange
OTC-Geschäfte: Riskante Deals fernab der Börse
Was den CDS-Spekulanten entgegenkommt: Der Handel mit Kreditderivaten ist immer noch weitgehend unreguliert. Er läuft nicht über die Börsen und kommt als sogenanntes "Over-the-Counter" (OTC)-Geschäft zweier Handelspartner zustande. Das können zum Beispiel Investmentbanken, Unternehmen und Hedgefonds sein.
Damit sich alle Marktteilnehmer künftig einen besseren Überblick über Art und Umfang solcher Geschäfte machen können, sollen all diese Transaktionen zumindest über zentrale Clearing-Stellen laufen. Die Standardisierung der CDS-Verträge ist seit Lehman vorangeschritten, betont Jochen Korb, Analyst bei der LBBW.
Doch von einem transparenten Markt, da sind sich viele Marktteilnehmer einig, kann noch immer keine Rede sein.
"Mit solchen Geschäften lassen sich hohe Gewinne erzielen - aber sie sind auch mit beträchtlichen Risiken verbunden", erklärt Tim Brunne, Kreditanalyst bei der Unicredit. Die Tätigkeit von Spekulanten sollte auch nicht davon ablenken, dass die Ursache für Griechenlands Probleme in der griechischen Haushaltspolitik liege. "Der Markt baut jetzt einen Druck auf Griechenland auf, den die Politik nicht aufbauen kann", sagt Brunne.
Wie ein CDS-Geschäft funktioniert
Vereinfacht funktioniert ein CDS-Geschäft so: Ein Investor, zum Beispiel ein Hedgefonds, kauft sich Versicherungsschutz für einen Ausfall griechischer Staatsanleihen im Volumen von beispielsweise einer Milliarde Dollar. Dieses Geschäft kann der Fonds auch dann abschließen, wenn er gar keine griechischen Staatsanleihen besitzt, also kein reales Ausfallrisiko absichern muss. Dafür zahlt der Hedgefonds eine jährliche Prämie. Steigen die Nervosität und die Prämien weiter, kann er seinen Kontrakt mit Gewinn weiterreichen: Je höher die Prämien steigen, desto höher der mögliche Profit.
Hält der Investor seine CDS-Papiere und tritt das Kreditereignis tatsächlich ein - Griechenland ginge pleite - muss sein Gegenpart für den entstandenen Schaden zahlen. Je stärker griechische Staatsanleihen einbrächen, desto mehr Geld flösse an den Versicherungsnehmer - egal, ob er die Anleihen besitzt oder nicht. Der Restwert griechischer Anleihen würde in diesem Fall von der Handelsorganisation für Swaps und Derivate (ISDA) in New York bestimmt.
"Solche Wetten können auch gründlich schiefgehen", betont Brunne. Sollte sich die EU für ein "Bailout" ihres Mitgliedstaates entschließen, dürften die Kreditprämien für griechische Staatsanleihen stark nachgeben - mit entsprechend hohem Verlust für viele CDS-Investoren. So hatten Gerüchte um deutsche Hilfen für Griechenland am Freitagabend den Dax gestützt.
"Wer auch immer mit CDS-Papieren spekulieren sollte - er macht kein sicheres, schnelles Geld", sagt Brunne. Für Dax
-Anleger, die derzeit ebenso wie Fed-Chef Bernanke dem Treiben am CDS-Markt irritiert zuschauen, ist das ein schwacher Trost.
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