Von Lutz Reiche
Hamburg - Der britische Pilot umgarnt seine indischen Kollegen wie ein Verkäufer, seine Sätze wirken fast wie ein Werbetext. Das zeigt Wirkung. Selbst Indiens Verteidigungsminister Arackaparambil Kurian Antony ist beeindruckt von der Leichtigkeit, mit der sich der Eurofighter scheinbar fliegen lässt - jedenfalls im Flugsimulator der EADS
. Die Szene hat Symbolkraft: Auf der Rüstungsmesse in Neu Delhi tritt Indien als Käufer von 126 Kampfflugzeugen und damit als wehrhafte Demokratie auf. Aber auch als milliardenschwerer Auftraggeber, von dem sich nicht nur Rüstungskonzerne gute Geschäfte versprechen. Viele wollen teilhaben am Aufschwung der künftigen Wirtschaftsmacht.
Volkswagen in Indien: Immer mehr Unternehmen lassen in Indien produzieren. Sie profitieren unter anderem von einem niedrigen Lohnniveau und herabgesetzten Zugangsbarrieren. Doch immer wieder stoßen Firmen bei ihren Investitons- und Expansionsplänen auf dem Subkontinent auf unerwarteten Widerstand. Das gelte durchaus auch für einheimische Konzerne, sagen Beobachter.
Experten rechnen mit 8 Prozent Wachstum im Schnitt
Der Aufwärtstrend dürfte nach Einschätzung von Experten anhalten. Meng Si, Portfoliomanagerin bei Union Investment im Team Emerging Markets, erwartet ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 7 bis 8 Prozent. Robert Kalin, Manager des rund 370 Millionen Euro schweren DWS India, traut Indien langfristig gar Wachstumsraten von 8 bis 11 Prozent im Jahr zu. "Die Wachstumsaussichten für 2010 sind positiv", sagt auch Invesco-Fondsmanager Shekhar Sambhshivan.
Für die erwartete Wachstumsperspektive sehen die Profis eine ganze Reihe von möglichen Gründen und Garanten. Meng Si nennt eine "günstige demografische Struktur", die zunehmende Urbanisierung des Subkontinents, eine sich bildende Mittelschicht, eine stark ausbaufähige Infrastruktur und einen zunehmenden Bedarf an Finanzprodukten zur Vermögensbildung. Eine verbesserte Infrastruktur senkt die Kosten der Unternehmen und macht sie wettbewerbsfähiger, sagt auch Kalin.
Bald schon könnte Indien China überholt haben
Vor allem aber hebt der DWS-Fondsmanager die Bedeutung der sehr jungen indischen Bevölkerung als eine Art demografische Dividende hervor. Das heißt, im Falle nachlassender Geburtenraten steigt der Anteil der arbeitsfähigen Menschen in der Bevölkerung. "Nahezu ein Viertel der unter 25-Jährigen weltweit lebt in Indien. Diese Menschen sind die Arbeitnehmer und Konsumenten von morgen", sagt er voraus.
Goldman Sachs geht davon aus, dass Indien in zehn Jahren China als die am stärksten wachsende Wirtschaftsnation abgelöst haben dürfte. Gut 15 Jahre später, also im Jahr 2035, dürfte auch Indiens Bevölkerung mit dann geschätzten 1,45 Milliarden Menschen über der von China liegen - damit tun sich enorme Perspektiven auf, aber auch enorme Herausforderungen.
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH