Von Arne Gottschalck
Doch auch der Flug des chinesischen Drachen ist von allerlei Gefahren bedroht. "Es darf nicht unterschätzt werden, dass Wirtschaftswachstum und Aktienmarkt-Performance oft nur wenig oder kaum korrelieren", warnt Hirt. "Es ist zum Beispiel auch nicht auszuschließen, dass solange das regulatorische Umfeld in China unsicher bleibt - und das ist diplomatisch formuliert -, Aktien von exportorientierten europäischen Unternehmen diejenigen von China outperformen werden."
Auch die Zentralbank selbst könnte zum Stolperstein werden. "Nicht im Bezug auf die Mindestreserve", sagt DWS-Manager Banik. "Eher in Bezug auf ein zu starkes Anheben der kurzfristigen Zinsen. Derzeit wird mit zwei bis drei Zinsschritten ab dem zweiten Quartal gerechnet. Das hängt allerdings von den Inflationszahlen ab. Starkes Geldmengenwachstum ist eng korreliert mit steigenden Inflationszahlen. Ein mittelfristig angepeiltes Ziel sollte um 3,5 Prozent liegen. Alles darüber hinaus könnte zu verstärkter Aktivität seitens der Zentralbank führen."
Auch die Gefahr einer Blase am Immobilienmarkt wird immer wieder diskutiert. Und gern kleingeredet. "Um die Situation am chinesischen Immobilienmarkt richtig beurteilen zu können, muss man schon etwas genauer hinschauen", sagt Davut Deletioglu von Charlemagne Capital. "Vor allem darf man nicht vergessen, dass die Erholung im vergangenen Jahr von einem sehr niedrigen Niveau aus eingesetzt hat und viel Luft nach oben herrschte. In 2007 ist der chinesische Immobilienmarkt durch die Steuer- und Zinserhöhungen der Zentralregierung fast zum Erliegen gekommen, und die Preise sind teilweise um mehr als 70 Prozent abgestürzt."
Experten warnen daher vor vorauseilenden Maßnahmen. "Die Einführung einer Spekulationssteuer auf Immobilienverkäufe", sie wäre eine Gefahr, so DWS-Manager Banik. "Sie würde sich negativ - zumindest anfänglich - auf die Stimmung der Bevölkerung auswirken".
Was also erwartet Anleger in China? Die Aussicht auf hohe Renditen sowie stark schlingernde Kurse. Einen "free lunch" gibt es auch dort nicht. In der Zwischenzeit bleiben jene Experten, die das Geld ihrer Kunden in China investieren, optimistisch. Vermutlich, bis Jim Rogers zum Rückzug bläst.
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