Von Arne Gottschalck
Hamburg - Zwei Dinge liegen dem Anlageguru Jim Rogers offenbar besonders am Herzen. Das eine sind Rohstoffe, das andere ist China. Während er zum besseren Verständnis des Rohstoffthemas seinen Gesprächspartnern plakativ gern ein Zuckertütchen zusteckt, fällt ihm das im Fall Chinas naturgemäß etwas schwerer. Es bleibt Rogers Büchern überlassen, in denen er nicht müde wird, auf das Potenzial Chinas hinzuweisen.
In der deutschen Anlegerrealität ist das noch nicht angekommen, das zeigt schon ein Blick in die Statistiken des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). Beispiel Emerging-Markets-Fonds, die unter anderem auch auch China-Investments bündeln - rund 8,62 Milliarden Euro aus den Schatullen der Privatanleger stecken darin.
In Europa-Aktienfonds sind es dagegen 35,51 Milliarden Euro. Bei Zertifikaten genau das gleiche Bild. "Die meisten Anleger setzen auf die bekannten Märkte wie den Dax und deutsche Einzeltitel", berichtet Dirk Heß von der Citigroup. Auch bei Société Général beobachtet man nur wenig Interesse an China.
Findet China unter den Anlegern damit die Beachtung, die es verdient? "Nein", sagt DWS-Fondsmanager Alexander Banik. "Anders ist es kaum zu erklären, dass ein Land, das fiskalpolitisch und geldpolitisch alles richtig gemacht hat, um die Krise zu bewältigen, im Vergleich zu den anderen BRIC-Staaten im Jahr 2009 eine unterdurchschnittliche Aktienmarktentwicklung zu verzeichnen hatte."
Entsprechend glaubt William Fong von Barings nicht, dass die chinesischen Aktien bereits ihr volles Potenzial entfaltet haben. In Fondsmanager Fongs eigenen Worten: "China hat durch regierungsgetriebene Infrastrukturprogramme eine außerordentliche Stabilisierung erreicht." Andere Experten nicken beifällig: "The trend is your friend", sagt Gregor Hirt, der bei Schroders der Abteilung Multi Asset Solutions vorsteht. Und China, das ist ein Trend, so die Branchenerkenntnis.
"Die vergangenen Jahre haben gezeigt, welche Dynamik und welches Potenzial in Chinas Wirtschaft stecken; besonders auch in der Krise. Dieser Trend wird sich weiter verstärken", assistiert John Pollen, Fondsmanager des Pioneer Emerging Markets Equity.
"In diesem Jahr rechnen wir damit, dass China seinen Nachbarn Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ablösen wird", erklärt Pollen. In 2009 hatte Japan mit einem BIP von 5,1 Billionen US-Dollar noch knapp die Nase vorn. Den Titel des Exportweltmeisters hat China für 2009 erstmalig erhalten und damit die Bundesrepublik Deutschland von Platz eins verdrängt.
Vor allem hat China eines, was entwickelte Länder so nicht mehr haben - einen dynamischen Binnenmarkt. Noch trägt der chinesische Konsum nur 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. In den meisten Industrieländern liegt dieser Anteil bei 50 bis 75 Prozent, so Pollen. Das dürfte der Wirtschaft erheblichen Aufwind bescheren.
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