19.02.2010
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Zinsniveau

"Höherer Leitzins erst im Jahr 2011"

Von Kai Lange

2. Teil: Sinkende Einkommen: Deflationsgefahr in USA noch nicht gebannt

Mit einer Erhöhung des Leitzinses dürfte die US-Notenbank sogar bis in die zweite Hälfte des Jahres 2011 warten, argumentieren die Analysten von HSBC. Der Grund: Die Konjunkturerholung in den USA hat im ersten Quartal 2010 gegenüber dem Schlussquartal 2009 wieder an Schwung verloren und ist noch nicht tragfähig, da sie weiterhin in hohem Maße von billigem Geld, staatlichen Investitionsprogrammen und Steueranreizen getragen wird. Diese Effekte seien nicht nachhaltig, und deshalb dürfte die Fed nicht zu schnell an der Zinsschraube drehen.

Stabilisierung: Das Volumen der Notkredite an die Geschäftsbanken ist seit Herbst 2008 um knapp 90 Prozent zurückgegangen. Nun steigt der Diskontsatz
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Corbis

Stabilisierung: Das Volumen der Notkredite an die Geschäftsbanken ist seit Herbst 2008 um knapp 90 Prozent zurückgegangen. Nun steigt der Diskontsatz

Von Inflationsgefahren in den USA angesichts der aktuellen Nullzinspolitik könne ohnehin nicht die Rede sein: Die persönlichen Einkommen der US-Bürger (Löhne, Zins- und Mieteinnahmen) sind Ende 2009 erstmals gefallen. Zudem haben die US-Haushalte damit begonnen, einen Teil ihres Schuldenberges abzutragen. Die Konsumentenkredite sind gegenüber Vorjahr um rund 4 Prozent zurückgegangen.

Sinkende Einkommen, geringere Kreditnachfrage, hohe Arbeitslosigkeit, Druck auf die Löhne: Das sind eher Zutaten für eine Deflation als für eine Preisspirale nach oben. Laut HSBC dürfte die US-Notenbank in diesem Jahr daher an ihrer faktischen Nullzinspolitik festhalten - und Banken und Anleger sich weiterhin an billigem Geld erfreuen.

Und Europa? Die EZB hat ihren wichtigsten Leitzins, den Hauptfinanzierungssatz, im Mai 2009 auf das "Notstandsniveau" von 1 Prozent gesenkt. Der Spitzenrefinanzierungssatz, das europäische Pendant zum US-Diskontsatz, liegt derzeit bei 1,75 Prozent.

Eine Erhöhung des Hauptfinanzierungssatzes sei für die EZB in absehbarer Zeit jedoch kritisch, meint Ulrich Leuchtmann, Analyst bei der Commerzbank Chart zeigen. Die Schuldenkrise in EU-Ländern wie Griechenland, Portugal, Irland oder Spanien sowie die Spekulationen gegen die "PIGS"-Staaten, welche Kredite für die Betroffenen ohnehin schon verteuern, machen es für die Eurobanker nicht leichter, Zinserhöhungen durchzusetzen.

Entsprechend blieb am Freitag auch der Euro Chart zeigen gegenüber dem Dollar unter Druck: Mit raschen Zinserhöhungen in der Eurozone rechnet kaum jemand.

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