Von Kai Lange
Hamburg - Der Dax
ging am Freitag zunächst einmal in Deckung. Die US-Notenbank hatte am Vorabend erstmals seit Beginn der Finanzkrise einen Zinssatz erhöht - und zwar den Diskontsatz von 0,5 auf 0,75 Prozent. Händler im Frankfurter Handelssaal raunten vom Beginn der nächsten Zinserhöhungsrunde, vom möglichen Zugzwang, unter den die EZB trotz Griechenlandkrise geraten könnte, und vom Ende der für Börsianer paradiesischen Nullzinszeiten.
Doch als Aufreger konnte diese Zinserhöhung bei genauerem Hinsehen nicht dienen. Erstens hatte die Fed ihre zaghafte Erhöhung bereits angekündigt. Zweitens ist der Diskontsatz der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld bei der Federal Reserve leihen können: Er beschreibt, wie teuer "Notkredite" in schwierigen Zeiten für das Bankensystem sind. Und wenn Notkredite für Geldinstitute etwas teuer werden, heißt das zuallererst, dass sich die Lage am Finanzmarkt wieder etwas entspannt hat: "Es ist ein Schritt in Richtung Normalität", stimmten die Analysten von Unicredit und HSBC überein.
Zum Vergleich: Im Herbst 2008, als das globale Finanzsystem am Abgrund stand, griffen die Geldinstitute mit beiden Händen in die Notreserve der US-Zentralbank, um sich zu refinanzieren: Das Ausleihvolumen lag bei 110 Milliarden Dollar pro Tag. Bis heute ist das Volumen auf rund ein Zehntel dieser Summe gesunken: Die Banken stehen wieder auf sichereren Beinen und dürften auch eine Zinssatzanhebung um 0,25 Prozent verkraften.
Geld bleibt billig
Der für Kreditnehmer, Anleger und Banken weitaus wichtigere Leitzins, die Fed Funds Rate, liegt trotz der Erhöhung des Diskontsatzes weiterhin zwischen 0 und 0,25 Prozent. Er beschreibt den Zinssatz für Leihgeschäfte der Finanzinstitute untereinander, um ihre Reserveverpflichtungen zu decken. Das Geld für diese täglichen Leihgeschäfte, die Grundlage für ihre Hauptfinanzierung, bleibt also für die Kreditinstitute extrem billig.
Und dabei dürfte es in diesem Jahr auch bleiben. "Wir sehen in der Erhöhung des Diskontsatzes keine Verschärfung der Geldpolitik. Wir erwarten eine Erhöhung der Fed Funds Rate erst im Jahr 2011", heißt es in einer Analyse von HSBC. Der Abstand zwischen Diskontfenster und Leitzins betrage üblicherweise ein Prozent, ergänzen die Analysten der Unicredit. Darum sei in den kommenden Monaten mit weiteren Erhöhungen des Zinssatzes für Notkredite zu rechnen, ohne dass kurz darauf auch der Leitzins zwangsläufig erhöht werden muss.
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