Standpunkte gibt es also genug. Und die dazu passenden Investmententscheidungen ebenfalls. Bleibt die Frage, wie es tatsächlich weitergeht mit Griechenland, den übrigen PIIGS-Ländern (Portugal, Italien, Irland und Spanien) und dem Staatsschuldenproblem.
Über eines herrscht Einigkeit: Den vielfach diskutierten Ernstfall, eine Staatspleite Griechenlands etwa oder dessen Ausscheiden aus der Euro-Zone, erwartet spätestens nach dem Bekenntnis der EU von vergangener Woche, im Notfall zu helfen, ernsthaft kaum jemand. Folgendes Szenario scheint vielmehr wahrscheinlich: Eine Weile gehen die Turbulenzen noch weiter. Dann pendeln sich die Märkte ein, und die Anleihen der einzelnen Länder zeigen wieder das tatsächlich ihrem Risikoprofil entsprechende Renditeniveau.
"Das Thema 'glaubwürdige Maßnahmen zur Rückführung der Defizite' in den Euro-Ländern führt derzeit zu einer Neubewertung von Euro-Staatsanleihen", bestätigt Rüdiger Kerth, Fondsmanager bei Union Investment. Seiner Ansicht nach verschaffen sich Investoren gegenwärtig von jedem Land ein genaues Bild darüber, ob es in der Lage ist, die explodierenden Defizite nachhaltig zu reduzieren. Dies führt laut Kerth zwangsläufig zu einer Diskussion darüber, welche Zinshöhe für die verschiedenen Euro-Länder gerechtfertigt ist.
Ein bis zwei Jahre, so Michael Mewes, Leiter des Anleiheteams bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, kann diese Phase noch dauern. Genug Zeit also für Optimisten, nach Kaufgelegenheit zu suchen. Und für Skeptiker, den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg zu nutzen.
© manager magazin online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH